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13 Thesen über das offene Internet, seine Gegner und uns

Konrad Lischka
Konrad Lischka
2 minuten gelesen
13 Thesen über das offene Internet, seine Gegner und uns

(veröffentlicht unter CC BY-ND 4.0)

Was für ein Netz, was für ein Mediensystem, was für eine Öffentlichkeit wollen wir und was haben wir? Darüber habe ich einen Essay geschrieben, der jetzt als Digitalbuch bei Hanser Box erschienen ist (2,99 Euro bei Sobooks, myBookShopBuchhandel.deEbook.deThaliaGoogle PlayKoboAmazon.de).

Die grundlegende Frage ist: Wollen wir ein Mediensystem im Netz, dass so funktioniert wie das zentralisierte Netz oben links (mit einem Aufmerksamkeitsverteiler wie Facebook in der Mitte)? Oder sind uns dezentralisierte (Mitte) oder gar verteilte Strukturen (rechts) lieber? Diese Typologie der Netzwerke hat der Elektrotechniker Paul Baran in seinem Papier „On Distributed Communications“ 1964 entwickelt.

Das sind im Prinzip auch 2015 die Optionen in aller Abstraktheit: Niemals wurde das Internet so intensiv genutzt wie heute. Doch immer seltener verlassen die Menschen zentrale Plattformen, um Vielfalt im Netz zu genießen und zu gestalten. Unternehmen stülpen dem offenen Netz eigene Dienste über, die weit weniger offen sind. Whatsapp (zentralisierter Typ links) verdrängt XMPP (dezentralisierte Typ in der Mitte) und so weiter. Diese Entwicklung entzieht der Vielfalt im Netz schleichend den Nährboden. Aber Widerstand ist möglich und macht Freude – davon erzählt mein hoffentlich optimistischer Essay.

Hier eine Ultra-Kurzversion des Gedankengangs in 13 Thesen mit jeweils weniger als 140 Zeichen:

1. Diese Prinzipien haben das Netz groß gemacht: Selbstbestimmung, Selbstorganisation, Dezentralität und Offenheit.

2. 1996 galt das Netz als etwas wie die Neuauflage der Pariser Kommune: Wir alle bauen hier zusammen etwas Neues.

3. 2015 entfällt mehr als die Hälfte des Webtraffics in Nordamerika auf Netflix, Youtube, iTunes und Facebook.

4. Noch nie haben so viele Menschen das Netz genutzt – und so viele geschlossene, zentralisierte Dienste.

5. Die Konzentration der Aufmerksamkeit bei wenigen Plattformen entzieht dem selbstorganisierten Netz den Nährboden.

6. Unternehmen stülpen geschlossene Dienste über das offene Netz. Whatsapp statt XMPP. Newsfeed statt Blogs und RSS

7. Menschen sind kreativ, erweitern das Netz. Aber eher Datensilos als Selbstorganisiertes wie OSM, Wikipedia

8. Die technische Basis des Netzes erlaubt noch immer Innovation ohne Erlaubnis, Selbstorganisation, Dezentralität.

9. Es ist unsere Entscheidung, was wir aus der Basis eines offenen Netzes machen. Was wir hegen, wird gedeihen.

10. Damit ein offenes Angebote im Netz gedeiht, braucht es manchmal nur ein paar Tausend gut organisierter Aktiver.

11. Wer das Netz als gesellschaftliches Projekt sieht, gestaltet mit: Wikis, Openstreetmap, Blogs, Gemeinschaften

12. Strategischer Konsum hilft: Wenn Ihnen Vielfalt im Netz wichtig sind, nutzen und fördern Sie Alternativen.

13. Ein von Selbstorganisation, Dezentralität und Offenheit bestimmtes Netz ist möglich. Wenn wir nur wollen und tun.

Ebook: Das Netz verschwindet Das Netz verschwindet – das offene Internet, seine Gegner und wir

Maximale Reichweite für wenige Digital-Giganten – das also wurde aus dem alten Internet-Schlachtruf ‘Promote decentralization’?

2,99 Euro, 22 Seiten, erschienen am 25.11.2015 bei Hanser Box, ePUB-Format (mit Wasserzeichen), ISBN 978-3-446-25156-4

Blog

Konrad Lischka

Projektmanagement, Kommunikations- und Politikberatung für gemeinnützige Organisationen und öffentliche Verwaltung. Privat: Bloggen über Software und Gesellschaft. Studien, Vorträge + Ehrenamt.
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