Die Cloud ist nur ein Rechner, den irgendjemand anderes kontrolliert. Mit diesem Spruch enthüllt die Free Software Foundation Europe sehr schön, was das Wolkengerede verschleiert: Viele Clouddienste schränken Wahlfreiheit, Nutzerautonomie und Vielfalt im Netz ein. Wie, zeigt das Beispiel: Ich will mit einigen Mitstreitern, die in ganz Deutschland verteilt sind, ein Manifest schreiben. Es gibt eine Reihe von Onlinediensten, die so etwas möglich machen. Google Docs, Zoho, Word Online. Eines haben sie gemeinsam: Wenn ich mich für diese Software entscheide, muss ich auf dem Rechner des Anbieters arbeiten und dort meine Daten speichern. Bei diesen großen, kommerziellen Angeboten gibt es für Privatkunden nur ein Komplettpaket. Ich kann nicht bestimmten, wo die Software läuft und wo meine Dateien liegen.

Es gibt Alternativen. Es gibt viel freie Software, um auf einem Server in Gruppen Texte zu schreiben und zu bearbeiten oder Aufgaben und Arbeitsabläufe zu strukturieren. Etherpad zum Beispiel (eine Alternative zu Google Docs) oder Wekan (ein Werkzeug zum Projektmanagement a la Trello). Das Problem dieser Software ist: Es ist aufwendig, diese Software auf dem eigenen Server sicher laufen zu lassen. Die Programme setzen alle erdenklichen Extras voraus, die Wartung und Benutzerverwaltung ist auch nicht ohne und sicher nicht mit zwei Mausklicks auf eine grafische Oberfläche erledigt. Deshalb sind geschlossene Angebote wie Google Docs wohl auch so erfolgreich.

Was Sandstorm besser macht

Das ändert Sandstorm.io. Diese freie Software macht es möglich, auf einem Standardserver feine freie Programme zur Onlinezusammenarbeit wie Etherpad, Wekan oder Draw.io laufen zu lassen. In 25 Sekunden ist eine Anwendung aus dem Sandstrom-Katalog installiert:

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Sandstorm übernimmt die Nutzerverwaltung und die Absicherung der einzelnen Anwendungen. Den ganzen Kram also, der gut gemacht sein muss, was aufwendig ist. Wer Sandstorm nicht selbst installieren will, kann das Hosting von den Entwicklern übernehmen lassen. Ein Basisangebot bei Sandstorm Oasis ist kostenlos (200 MB Speicher, 5 Software-Instanzen) und die mit etwas mehr Speicherplatz ausgestatteten Pakete sind ein Beitrag dazu, dass dieses Projekt weiter läuft.

Die Nutzerverwaltung ist denkbar leicht: Man gibt Dokumente per E-Mail oder Link frei, zum Ansehen oder zum Bearbeiten.

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Wer per E-Mail eingeladen wird, erstellt ein Benutzerkonto bei Sandstorm und die Änderungen an Texten in Etherpad oder die zugewiesenen Aufgaben in Wekan werden an dieses Konto gebunden. Die Eingeladenen können den Zugriff maximal mit den ihnen vergebenen Rechten weiterreichen.

Die Visualisierung von Textveränderungen und die Versionsverwaltung in Etherpad sind ein Traum, da kann sich Google Docs etwas abschauen:

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Die Sandstorm-Software und das Sandstorm-eigene Hosting sind in der Beta. Anwendungen wie Etherpad und Wekan laufen für meinen Geschmack schon stabil genug, um damit produktiv zu arbeiten. Hier einige Erfahrungsberichte. Bei anderen Anwendungen wie Dokuwiki merkt man, dass noch viel Feintuning nötig ist (z.B. Bildupload, bessere Einbindung der Sandstorm-Nutzerverwaltung in die Archivierung von Änderungen).

Fürs Schreiben und Organisieren in kleinen Teams ist Sandstorm.io jetzt schon weit genug, zumindest für meinen Geschmack.

Was fehlt: Sandstorm-Hosting für jedermann

Realistisch betrachtet werden aber fast alle Anwender auf den von den Entwicklern bereitgestellten Servern arbeiten. Bis zur 1-Klick-Installation bei deutschen Hostern ist es noch ein Stück. Ich hoffe, dass hier ein alternativer Anbieter wie Uberspace oder Heinlein eine Chance erkennt. Man kann ja als Kunde auch etwas nachhelfen und nett fragen.

Warum Sandstorm das nachhaltige Netz stärkt

Das lohnt sich. Sandstorm.io ist komfortabel, praktisch und stärkt ein nachhaltiges Netz im Sinne von: Selbstbestimmung, Selbstorganisation, Dezentralität und Offenheit. Diese vier Prinzipien haben das Internet vielfältig, großartig und groß gemacht. Diese Prinzipien sind bedroht, Unternehmen stülpen geschlossene Dienste über das offene Netz. Die Konzentration der Aufmerksamkeit bei wenigen Plattformen entzieht dem selbstorganisierten Netz den Nährboden. Es ist Zeit für ein Umdenken, Zeit für eine nachhaltige Nutzung.