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Imagebroschüre der VVA-Mediengruppe, die ich 2006 als Textchef mitgestaltet habe.

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69 Minuten redet ein Angestellter am Tag mit Kollegen, Kunden, Mitarbeitern. Das macht bei der VVA mehr als 40.000 Gesprächsminuten täglich. Es sind die entscheidenden. Es sind die Minuten, in denen Redakteure, Textchefs und Art-Direktoren zusammen merken, dass die Texte und Bilder eigentlich keinem gefallen und unbedingt noch einmal geändert werden müssen. Es sind die Augenblicke bei der Druckabnahme, wenn Produktionsleiter, Drucktechniker und Auftraggeber feststellen, dass das Rot zu blass, das Grün zu giftig oder das Blau zu dunkel wirkt. Es sind immer die Momente, wenn verschiedene Kollegen zusammenkommen und diskutieren. Deshalb arbeiten gute Zeitschriftenmacher vor allem so: zusammen. Denn Protagoras hatte recht: Der Mensch ist das Maß aller Dinge. Und, wie Leibniz ergänzte: „Die Menschen sind verschieden, doch die Wahrheit ist eine, und alle, die sie suchen, auf welchem Gebiet es sei, helfen einander.“ Für dieses Ringen um die Wahrheit, um starke Bilder, stimmige Farben, eine packende Heftdramaturgie – um Qualität – braucht man ungefähr 40.000 Gesprächsminuten am Tag. Es glückt, wenn die Mitarbeiter verschieden genug sind. Hier eine Typologie.

Dass man mal mit einem Projekt beginnen sollte, sagt meistens der Planer. Er ist immer zu früh dran, weil er gerne den Überblick hat. Vor allem Monate im Voraus. Erkennungszeichen: detaillierte Zeitpläne mit Farbsystem für den Status der Arbeitsschritte. Der Planer ärgert sich immer, wenn der Kreative lang an (für Planer) unwichtigen Details arbeitet, zum Beispiel an den Strichen auf der Seite links unten, der Formulierung der Fußnoten. Über diese Ignoranz ärgert sich wiederum der Kreative. Und verschwindet dann manchmal völlig (zum Beispiel in Schuhläden). Ist er weg, erinnert sich niemand so genau daran, was der Kreative gesagt hat, aber ein Accessoire hat jeder im Kopf (Mütze, orange Schuhe, Brille in einer Farbe, die sonst nichts im Raum hat o. Ä.). Manchmal taucht der Kreative auch nicht völlig ab, sondern nur bei Kollegen unter, zum Beispiel dem Gelassenen. Denn der Gelassene ist lange im Job und hat so vieles er- und alles überlebt, dass er auf alle eine beruhigende Wirkung hat. Er besitzt auch Ehrgeiz, bleibt aber entspannt und am liebsten im Hintergrund. Er sagt seine Meinung nur, wenn andere fragen. Zum Beispiel das Genie. Das Genie ist nie lange da, kommt deshalb immer im richtigen Moment mit dem Blick von außen, provoziert die anderen, ihre Meinung zu sagen, und erklärt dann in ein paar klaren Sätzen, was zu tun ist: alles anders. Und so wird es immer besser. Erkennungszeichen: skizziert gern, schnell und unlesbar (für alle) Geistesblitze auf alles Mögliche (Zeitschriften, Servietten, alte Notizen).

Ist das Genie wieder verschwunden, setzt der Gewissenhafte die Geistesblitze um. Der Gewissenhafte hat auch Ideen, verwaltet aber am liebsten welche. Es müssen nicht die eigenen sein, denn perfekte Ausführung befriedigt den Gewissenhaften mehr als Originalität. Dass all diese Menschen gut zusammenarbeiten, schafft der Macher. Er sieht immer das große Bild, macht deshalb kaum Fehler. Er weiß um die Macht der menschlichen Grundkonstanten (Niedertracht, Neid, Eitelkeit, Zerstörungslust), glaubt trotzdem an das Gute und schafft es. Pragmatisch. Denn der Macher weiß: Mitarbeiter sind manchmal anstrengend (vgl. der Kreative), aber sie sind das Wichtigste, was eine Agentur hat. Denn das ist der wahre menschliche Faktor: Persönlichkeit.

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