Die Wirtschaftskrise der Wiesel (Sonntagszeitung, 3.11.2002)

Die Wirtschaftskrise der Wiesel

Im neuen Dilbert-Band analysiert Autor Scott Adams den Fall der New Economy

Sonntagszeitung, 3.11.2002

Der amerikanische Zeichner Scott Adams verdient viel Geld, indem er sich über den Alltag in Hightech-Firmen lustig macht. In weltweit 2000 Zeitungen, darunter der , irrt seine Cartoonfigur Dilbert in kurzärmligem Hemd mit Krawatte durch das Arbeitsleben. Jetzt hat Adams das neue Buch «Dilbert And The Way Of The Weasel» veröffentlicht.

In Dilberts Welt ist nach dem Fall der New Economy vieles anders. In früheren Büchern zerfiel die Menschheit in intelligente Menschen und jene sechs Milliarden Idioten, die im Weg stehen oder Unternehmen führen. Nun unterscheidet Adams zwischen Wieseln und Nichtwieseln. Seine Definition von wieselhaftem Verhalten: «Für die meisten Leute ist das nicht kriminelles Handeln, sondern die kleinen Schwindeleien, das Englein-Spielen, die verdunkelten Wahrheiten.»

Adams skizziert seine neue Weltsicht so: «Was immer Journalisten fragen, antworten Sie, dass es gut für die Aktionäre sein wird», rät ein Wiesel dem Firmenchef in einem Cartoon. Später antwortet der Chef auf die Frage, ob er tatsächlich einen Aktionär im Parkhaus überfahren habe: «Es wird gut für ihn sein.»

Das Dilbert-Prinzip gilt auch in Krisenzeiten: «Die dümmsten Leute werden in die Firmenführung befördert, weil man die kompetenten Mitarbeiter für die echte Arbeit braucht.» Nur sinkt während der Krise der Personalbestand. Adams folgert: «Immer dümmere Leute müssen immer schwierigere Dinge erledigen.»

Gott sei Dank für Adams. Denn die Dilbert-Konjunktur entwickelt sich entgegengesetzt zur Wirtschaft. Adams grösster Bucherfolg, «The Dilbert Principle», erschien 1996. Damals begeisterten sich Unternehmensberater und Manager für Restrukturierung: Hunderttausende wurden entlassen, der Rest arbeitete unter härteren Bedingungen weiter.

Die Interneteuphorie der Neunzigerjahre hingegen war eine schwere Zeit für Scott Adams: «Meine Ideenquelle sind die Beschwerden anderer Menschen.» Ende der Neunzigerjahre konnte er indes niemanden dazu bewegen, sich zu beschweren. Wenn etwas nicht stimmte, dachten die Leute, es sei ihre Schuld, denn jeder andere wurde vermeintlich soeben reich.

Die Wirtschaftskrise lässt Adams E-Mail wieder anschwellen. Seit er 1995 seinen Job bei der Telecomfirma Pacific Bell aufgab, erlebt er die Arbeitswelt vor allem via Klagen seiner Leser. Trost für diese gibt es aber nicht, auch nicht im neuen Buch. Wirklich hassen will der Enron-, Worldcom- und Tyco-Aktionär Adams die Geschäftsführer und Finanzchefs nicht: «Sie handeln nicht weniger ethisch als Angestellte oder Aktionäre, sie sind nur effektiver.» Angestellte klauen meist nur Bleistifte.