Facebook-Manager Olivan: „Regionale Netzwerke sind unpraktisch“

Ab jetzt gibt es die US-Internet-Community Facebook auch auf Deutsch. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt Manager Javier Olivan, wie Facebook seine Seiten von Nutzern kostenlos regionalisieren lässt und wo der deutsche Marktführer StudiVZ Konkurrenz bekommt.

Spiegel Online, 2.3.2008

SPIEGEL ONLINE: Der deutsche Platzhirsch StudiVZ hat mehr als fünf Millionen Mitglieder. Wie viele hat Facebook?

Javier Olivan: Wir zählen nicht Mitglieder, sondern aktive Nutzer. Aktiv ist jemand, der sich in den vergangenen 30 Tagen auf Facebook eingeloggt hat. Derzeit sind das weltweit etwa 66 Millionen Menschen.

SPIEGEL ONLINE: Und im deutschsprachigen Raum?

Olivan: Etwa eine Million unserer aktiven Nutzer kommt aus der Region – heute schon, obwohl sie die englischsprachige Seite nutzen müssen. Nun startet die deutsche Version.

SPIEGEL ONLINE: Wie wollen Sie denn dem Marktführer StudiVZ Nutzer abspenstig machen? Je erfolgreicher ein Netzwerk ist, desto attraktiver ist es doch für die Mitglieder. StudiVZ ist hier demnach fünfmal attraktiver als Facebook.

Olivan: Wir haben in jedem Land starke Wettbewerber. Trotzdem stammen heute schon etwas mehr als 60 Prozent der aktiven Facebook-Nutzer aus Staaten außerhalb der USA. Dabei haben wir unsere erste Plattform in einer anderen Sprache, in Spanisch, erst vor wenigen Wochen gestartet.

SPIEGEL ONLINE: Warum kommt Facebook nach Europa?

Olivan: Regional beschränkte Netzwerke sind unpraktisch für Menschen, die nicht nur in einem Staat, in einer Region Freunde, Kollegen und Verwandte haben. Das sind in Europa viele, die Menschen sind sehr mobil. Ich bin zum Beispiel in Spanien geboren, habe in Deutschland und Japan gearbeitet, lebe in Kalifornien.

SPIEGEL ONLINE: Wie wird Facebook Inhalte auf der deutschen Plattform kontrollieren? Für Anbieter in Deutschland gelten ja strenge Auflagen.

Olivan: Es gibt keine Facebook-Niederlassung in Deutschland. Wir halten die Plattform von Palo Alto aus sehr erfolgreich frei von Pornographie und Spam.

SPIEGEL ONLINE: Mit Scan- und Filter-Software?

Olivan: Ja, wir haben einige der besten Programme auf dem Gebiet –zudem kontrolliert ein menschliches Team die Seite.

SPIEGEL ONLINE: Also eine Plattform für alle, ohne regionale Besonderheiten?

Olivan: Das kann man nicht mit entweder oder beantworten. Natürlich bieten wir eine ins Deutsche übersetzte Plattform an, um für deutsche Nutzer zugänglicher zu sein. Es ist einerseits dieselbe Plattform wie in allen anderen Staaten, andererseits hoffen wir auf die deutschen Entwickler. Die Facebook-Plattform bieten ihnen ein absolut offenes System – jeder kann Facebook erweitern. Die „New York Times“ macht bei Facebook ein sehr beliebtes News Quiz. Das könnten deutsche Medien genauso.

SPIEGEL ONLINE: Warum sollten sie? Was bietet Facebook deutschen Entwicklern?

Olivan: Eine sehr große Basis potentieller Nutzer. Entwickler können von Werbung profitieren, Nutzer zu Kunden machen – sie haben da bei Facebook große Freiheit.

SPIEGEL ONLINE: Aber die US-Entwickler können über Facebook 66 Millionen Nutzer erreichen. In Deutschland mit nur einer Million Nutzern lohnt sich die Arbeit nicht unbedingt genauso.

Olivan: Wir haben heute eine Million deutschsprachiger Nutzer. Außerdem bieten wir Entwicklern Werkzeuge an, um Anwendungen von Nutzern übersetzen zu lassen. Mit demselben Programm haben wir die deutsche Facebook-Version geschaffen. 2000 deutschsprachige Facebook-Mitglieder haben die Seite übersetzt, in weniger als zwei Wochen. Wir bieten Entwicklern dieses Werkzeug an. Ich kann mir zum Beispiel sehr gut vorstellen, dass eine Oktoberfest-Anwendung aus Deutschland in Japan viele Fans gewinnen könnte.

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