Design-Fehler: Im Haushalt lauert die dümmste Technik (Spiegel Online, 16.3.2008)

Design-Fehler

Im Haushalt lauert die dümmste Technik

Das nervt: Jedes Staubsauger-Modell braucht seine eigene Beutelsorte, Handy-Tasten leuchten, aber die der TV-Fernbedienung nicht, und Netzteile blockieren immer zwei Steckdosen. SPIEGEL-ONLINE-Leser melden nicht durchdachte Technik.

Spiegel Online, 16.3.2008

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Sie sind überall.

Die SPIEGEL-ONLINE-Liste der Design-Irrtümer wird immer länger. Leser melden eifrig, was sie an Technik nervt. Anfangs ging es um verwirrende Tastaturen, verschwundene Schalter, versteckte Menüs. Aber Ärger machen vielen Lesern nicht nur Computer und Betriebssysteme, sondern auch die Macken der Alltagstechnik, Staubsaugerbeutel zum Beispiel. Hier haben Hersteller schon lange vor dem Akku- und USB-Kabel-Wirrwarr die Kultur des Exklusiv-Zubehörs gepflegt – für jedes Staubsauger-Modell muss man eine eigene Sorte von Spezialbeuteln beschaffen. Ein Leser klagt: "Bei etwas älteren Geräten wird die Suche wirklich ärgerlich. Man steht vor meterlangen Regalen und findet das Passende oft nicht. Warum gibt es keine genormten Staubbeutel?"

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Mit diesem Problem ist er nicht allein: Sucht man mit Google im deutschsprachigen Internet nach dem Begriff Staubsaugerbeutel, verspricht der Online-Shop hinter dem ersten Treffer Beutel zu "über 20.000 Staubsaugertypen" von mehr als "540 Herstellern oder Handelsnamen".

20.000 Beutel-Sorten! Gleichzeitig wird man mit fast 50 Google-Kontextanzeigen (von Anbietern mit lustigen Namen wie "Superstaubi" und "Saug-Beutel") bestürmt, die offenbar alle Anzeigenplätze zum Suchwort "Staubsaugerbeutel" gebucht haben.

Ein großes Problem, ein großes Geschäft.

Dicke Stecker, dunkle Tasten, dumme Aufzüge – SPIEGEL ONLINE zeigt die ärgerlichsten Design-Irrtümer der Alltagstechnik.

Die dunklen Tasten der Fernbedienung

Wer abends im Schummerlicht Fernsehen schaut und nebenher vielleicht noch den DVD-Player bedienen muss, hat ein Problem: Muss man mal eine nicht ganz so häufig benutzte Taste drücken (etwa, um zwischen DVD-, Antennen- und Kabelsignal zu wechseln), ist die kaum zu finden. Die Programmtasten und die Lautstärkenregler hat man sich antrainiert – den Rest müssen die meisten mühsam suchen. Im TV-Schummerlicht ist das gar nicht so einfach.

Unverständlich, empört sich ein Leser: "Schon seit Ewigkeiten hat doch jedes noch so einfach ausgestattete Mobiltelefon beleuchtete Tasten. Platzprobleme dürfte es nicht geben: Wenn die erforderliche Technik schon in winzigen Handy-Tasten Platz findet!" Eine optionale Tastenbeleuchtung wünscht er sich auch für Digitalkameras, Desktop- und Notebooktastaturen. Immerhin: Manche Notebooks beleuchten ihre Tastaturen (zum Beispiel einigen Thinkpad-Modelle und das Apple Macbook Pro). Warum geht das nicht bei Fernbedienungen?

Übergewichtige Netzteile blockieren Steckerleisten

Sie sind eckig und fast immer zu breit: Die Netzteile für Handys, Wecker, Scanner, DVB-Antennen, externe Festplatten und USB-Hubs blockieren sich an Steckdosenleisten oft gegenseitig. Es scheint keine Normbreite zu geben, beklagt ein Leser: "Wenn man sie in die Steckdose schiebt, decken sie die danebenliegende Steckdose oft mit ab – eine Dreiersteckdose hat deshalb meist nur genug Platz für zwei Netzteile."

Sind dafür die Konstrukteure der Netzeile oder die der Steckdosenleisten verantwortlich? Vielleicht beide ein wenig. Die Steckerleistenbauer könnten schon etwas mehr Platz zwischen den Steckdosen lassen – nur wie viel? Nicht so einfach zu entscheiden bei der Flut an Netzteilen in diversen Formen und Breiten.

Eine Schublade voller Netzteile – und alle sind schwarz

Überhaupt, Netzteile: Alle sind schwarz, die meisten sind eckig und auf vielen steht – wenn überhaupt – nur winzig, zu welchem Gerät sie gehören. Ein Leser klagt: "Irgendwann hält man zwei oder drei fast gleich aussehende Ladegeräte in der Hand und weiß nicht mehr, welches wozu gehört. Zum Glück ist das Ding für meinen iPod weiß."

Besonders ärgerlich daran ist, dass die Hersteller eigentlich wissen sollten, wie groß das Netzteil-Wirrwarr ist. Schließlich treiben sie diese Entwicklung selbst voran. Bei Mobiltelefonen zum Beispiel passt das Netzteil eines Herstellers nie in das Gerät eines anderen. Manchmal gibt es sogar beim selben Hersteller Kuddelmuddel, wie ein Leser beschreibt: "Ich habe mir neulich ein neues Handy gekauft und festgestellt, dass die Stecker der älteren und neueren Ladegeräte desselben Herstellers ähnlich aussehen, aber leider nicht zueinander passen." Die Folge: "Da ich aus beruflichen Gründen zwei Handys brauche, habe ich nun zwei mit einem Edding markierte Ladekabel."

Autolicht, Schaltknüppel, Hupe – kein Plan

Fernseher, Radiowecker und MP3-Player schalten sich auf Wunsch nach einer bestimmten Zeit ab. Aber bei Autos, die fast das Hundertfache kosten, bleibt das Licht oft an, nachdem man den Zündschlüssel abgezogen hat.

Ein Leser mit Mietwagen-Erfahrung schreibt, den automatischen Lichtausschalter sehe er fast nur in Modellen mit einem Neupreis von mehr als 20.000 Euro. Er sich fragt, warum: "In manchen Modellen versucht ein kurzer Piepton den Fahrer daran zu erinnern, das Licht auszumachen – oft vergeblich." Die automatische Abschaltung würden die Hersteller offenbar "als Komfortausstattungsmerkmal ansehen, welches den höheren Modellen vorbehalten ist".

Und überhaupt: Wer oft mit unterschiedlichen Autos fährt, fragt sich, warum ein so wichtiges, aber selten benutztes (und daher kaum erlerntes) Instrument wie die Hupe nicht bei allen Herstellern an derselben Stelle zu finden ist. Dass man den Rückwärtsgang mit immer neuen Methoden einlegen muss, erscheint da nebensächlich.

Teure Digital-Stifte sehen aus wie Billig-Kullis

Ein Minderheiten-Problem, aber ein gravierendes: Viele Gestalter benutzen Grafiktabletts, um mit der Hand frei digitale Entwürfe zu zeichnen.

Die Geräte sind teuer, die speziellen Zeichenstifte auch, aber die sehen oft aus wie gewöhnliche Günstig-Kugelschreiber. Die Folge, so ein betroffener Leser: "Meine Mutter hat den Stift für das Tablett weggeworfen – ‚der malte ja schließlich nicht mehr‘." Den Stift kann man natürlich einzeln nachkaufen – für viel Geld.

Dumme Aufzüge, Nachtrag

Viele Leser haben sich darüber beschwert, dass man in Deutschland in Aufzügen versehentlich gedrückte Stockwerke nicht wieder abwählen kann. In Dubai, Shanghai, Japan und Südkorea kann man das, berichten viele Leser übereinstimmend.

Aber auch Aufzüge mit Abwahlfunktion sind nicht perfekt.

Ein Leser erzählt diese Geschichte aus einem Aufzug mit Abwahlfunktion in einem Forschungsinstitut im südkoreanischen Pohang. Er stand einmal mit einem Kollegen fast fünf Minuten im selben Stockwerk: "Wir wunderten uns, warum der Aufzug nicht losfuhr." Die Lösung: "Wir waren hintereinander eingestiegen und wollten ins selbe Stockwerk. Drücken aber zwei Personen hintereinander auf dieselbe Taste, wird das Stockwerk an und wieder abgewählt."

Sie fanden es dann so heraus. "Der Aufzug fuhr los, als noch ein anderer Mitarbeiter einstieg und ein komplett anderes Stockwerk wählte. Relativ peinlich."

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