Apple-Handy: Wie man sein Alt-iPhone los wird (Spiegel Online, 22.5.200, mit Matthias Kremp)

Apple-Handy

Wie man sein Alt-iPhone los wird

Im Juni kommt das neue iPhone, das mehr können wird als sein Vorgänger – doch wie verkauft man das alte legal und sicher? SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen zu Vertragswechsel, Umschreibung und dem sicheren Löschen privater Daten.

Spiegel Online, 22.5.200, mit Matthias Kremp

GPS, UMTS, Navigationshilfen – iPhone-Fans heizen seit Wochen in
Apple-Gerüchteforen den Hype ums nächste iPhone an. Inzwischen gilt es
als ausgemacht, dass Apple-Boss Steve Jobs das neue Mobiltelefon am 9.
Juni in San Francisco vorstellen wird, angeblich soll es sofort danach
auch in Deutschland zu kaufen sein.

Nur:
Was machen die deutschen Hardcore-Fans, die sich gleich im vorigen
November das erste iPhone gekauft und Mobilfunkverträge mit zwei Jahren
Mindestlaufzeit bei T-Mobile abgeschlossen haben?

Wie wird man das Alt-iPhone los, oder kann man es vielleicht bei T-Mobile gegen ein neues tauschen?

Tarifwechsel, Gebrauchtverkauf, Vertragsumschreibung – SPIEGEL
ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen zum Gebrauchthandel mit
Alt-iPhones.

Wird T-Mobile alte iPhone-Verträge in neue mit dem UMTS-Gerät umwandeln?

Das ist zwar wahrscheinlich, aber derzeit reine Spekulation.
T-Mobile-Sprecher Alexander von Schmettow: "Es gibt derzeit kein neues
iPhone, daher können wir auch nichts über etwaige Möglichkeiten zum
Gerätewechsel sagen."

Dass es irgendeine Möglichkeit geben wird, gegen Bezahlung den
Altvertrag in einen neuen mit UMTS-iPhone umzuwandeln, sehen Experten
als ausgemachte Sache. Daniel Lüders, Redakteur beim
Computerfachmagazin c’t: "Ich gehe davon aus, dass T-Mobile eine solche
Möglichkeit bieten wird. Sonst würden sie die als Kunden sehr
wertvollen Early Adopters verprellen."

Nur: Auch wenn es diese Möglichkeit zum Wechsel geben wird, könnte
das durchaus unangenehm viel Geld kosten. Abgesehen davon bleibt dann
immer noch die Frage: Was macht man mit dem alten iPhone?

Kann man die Sim-Karte des Alt-iPhones in anderen Geräten benutzen?

Theoretisch lassen sich Sim-Karte des iPhone-Vertrags und das
Apple-Handy getrennt nutzen und vielleicht verkaufen. Man könnte sein
Gebraucht-iPhone ohne Karte verkaufen: T-Mobile-Sprecher von Schmettow:
"Die Sim-Karte aus einem iPhone lässt sich auch in anderen Geräten
nutzen, allerdings zahlt der Kunde dann für Dienste, die er nicht
nutzen kann. Die Datenflatrate der iPhone-Verträge ist nur mit iPhones
nutzbar, ebenso Visual Voicemail."

Das bestätigt c’t-Redakteur Lüders: "Bei unseren Tests konnten wir
mit der Sim-Karte aus einem iPhone die Datenflatrate des
iPhone-Vertrags mit anderen Geräten nicht nutzen. Ohne iPhone ist der
iPhone-Vertrag wenig wert." Auch wenn man das Gebraucht-iPhone bei eBay
ohne Sim-Karte und Vertrag los wird – mit der Sim-Karte aus dem iPhone
hat man in anderen Geräten wenig Freude – wozu weiterhin für eine
Daten-Flatrate zahlen, die man nicht nutzen kann? Dann besser gleich
das Alt-iPhone samt Vertrag verkaufen und den Vertrag im Telekom-Laden
auf den Käufer umschreiben lassen (siehe nächster Abschnitt).

Lassen sich alte iPhone-Verträge auf andere Personen überschreiben?

Die eleganteste Art, ein Gebraucht-iPhone loszuwerden ist es, bei
T-Mobile eine Übernahme des Vertrags durch den Käufer zu beantragen.
T-Mobile Sprecher Schmettow: "Einen iPhone-Vertrag kann man wie jeden
anderen T-Mobile-Vertrag auch auf eine andere Person umschreiben
lassen."

Ein entsprechendes Formular lässt sich als
PDF-Dokument
downloaden, allerdings ist es am besten, den Antrag mit dem neuen
Kunden zusammen in einem Telekom-Ladengeschäft auszufüllen. Eine
Einschränkung gibt es dabei: Den neuen Kunden kann T-Mobile etwa bei
kritischen Schufa-Einträgen ablehnen.

Lassen sich private Daten auf einem iPhone sicher löschen?

Wer das iPhone als Taschencomputer nutzt, hat nach einiger Zeit sein
komplettes Adressbuch, Zugangsdaten zu E-Mail-Konten, Passwörter,
Kalendereinträge und womöglich Privatfotos auf dem Gerät gespeichert.
Wer ein Gebraucht-iPhone verkauft, sollte also sicher gehen, dass diese
persönlichen Daten gelöscht sind.

Nur: So einfach ist das nicht. Der US-Hacker Jonathan Zdziarski
berichtet, dass
sich mit spezieller Software zur Datenrettung private Dokumente selbst
auf den offiziell vom US-Telekomkonzern AT&T verkauften
Gebraucht-iPhones wiederherstellen lassen.

Daniel Lüders vom Computerfachmagazin c’t sieht da keinen Grund zur
Panik – man müsse da so vorsichtig sein, wie bei anderen
Gebrauchtgeräten auch: "Die privaten Daten kann man auf dem iPhone so
zuverlässig löschen wie auf anderen Telefonen auch, die nicht auf
Business-Anwendungen ausgelegt sind: Das iPhone verschlüsselt Daten
nicht."

Lüders rät Verkäufern eines Gebraucht-iPhone vorm Verkauf über
iTunes die Firmware komplett neu aufzuspielen: "Das ist schon ein
besserer Schutz, als wenn man die Daten nur auf dem Gerät über
‚Zurücksetzten, Inhalte und Einstellungen löschen‘ entfernt." Aber, so
Lüders: "Völlig hackersicher sind beide Methoden nicht, das iPhone ist
kein Business-Handy."

Der IT-Sicherheitsberater Rich Mogul
empfiehlt
dieses Vorgehen, um den iPhone-Speicher mehrmals zu überschreiben und
so das Risiko zu minimieren, das Fragmente vertraulicher Daten
wiederhergestellt werden können:

  • Das iPhone über iTunes zurücksetzen
  • Jede Synchronisierung von Kalender-, E-Mail, Adressebuch- und Fotodaten am Computer deaktivieren.
  • In iTunes drei Abspiellisten mit Musik
    anlegen, die jeweils so große Datenmengen umfassen, dass der
    Speicherplatz des iPhones völlig ausgereizt wird
  • Nach einander alle drei Listen mit dem iPhone synchronisieren

Eine weitere Möglichkeit wäre es, den Speicher des iPhones mehrfach mit großen Videodateien zu überschreiben.

Gilt die iPhone-Garantie auch nach Gebrauchtverkauf?

Apples Garantie für das iPhone ist produktgebunden. Sprich: Sie gilt
auch nach einem Besitzerwechsel, ein Jahr vom Datum des ersten Kaufs an
(PDF-Dokument mit Apples Garantiebedingungen).
Allerdings schließt der Mac-Konzern gehackte iPhones in den
Garantiebedingungen aus. Dort heißt es: Die Garantie gilt nicht für
(…) "Produkte und Teile, die ohne schriftliche Erlaubnis von Apple
geändert wurden".

Wer das Gebraucht-iPhone also per Hack freischaltet, damit es sich
auch mit den Sim-Karten anderer Provider betreiben lässt, verliert den
Garantieanspruch.

So schalten Sie ein Gebraucht-iPhone für ihren Provider frei

Wer ein gebrauchtes iPhone ohne den damit verbundenen Vertrag
gekauft hat, besitzt zunächst nicht viel mehr als einen hübschen
Briefbeschwerer. Denn offiziell läuft ohne einen von T-Mobiles
iPhone-Verträgen gar nichts. Doch seit das Apple-Handy im Handel ist,
mühen sich Hacker damit ab, das Gerät auch ohne Vertrag zum Laufen zu
bringen.

Anfangs war das noch mit Lötarbeiten verbunden, später machten
programmierbare SIM-Kartenadapter die Freischaltung leichter,
mittlerweile aber braucht man nur noch eine Software, um das
Apple-Handy vollständig zu entsperren. Mehrere Programmierer und
Programmierergruppen kämpfen dabei um die Gunst der iPhone-Besitzer und
bieten ausgesprochen unterschiedliche Lösungen an.

Vollkommen unnötig ist es aber auf jeden Fall, sich einem der
kommerziellen Anbieter anzuvertrauen, die Freischaltsoftware im Netz
anpreisen. Alles was man benötigt, um sein iPhone zu entsperren, gibt
es kostenlos.

Viereinhalb Minuten bis zur Freiheit

So zum Beispiel das
Pwnage Tool vom iPhone Dev Team.
Diese Software soll sogar schon in der Lage sein, die künftige
iPhone-Software-Version 2.0 freizuschalten. Allerdings ist sie etwas
umständlich zu bedienen. Deutlich einfacher ist iPlus zu handhaben.
Allerdings ist dessen Web-Seite nur schwer erreichbar.

Als zuverlässig und äußerst simpel hat sich dagegen
ZiPhone erweisen.
Das Programm ermöglicht es, ein iPhone mit nur einem Mausklick
freizuschalten. Der eigentliche Entsperrvorgang läuft vollkommen
automatisch ab und ist nach etwa viereinhalb Minuten abgeschlossen.
Überdies ist die Software auch iPhone-Besitzern zu empfehlen, die ihr
Handy mit einem T-Mobile-Vertrag betreiben.

Bald kommt die Software-Version 2.0

Denn das Programm kann, wie auch die meisten anderen Entsperr-Tools,
das iPhone nicht nur komplett freischalten, sondern auf Wunsch auch nur
einen sogenannten Jailbreak durchführen. Der ermöglicht es, kostenlose
Zusatzsoftware auf dem Gerät zu installieren. Ein entsprechendes
Installationsprogramm wird dabei auf das Gerät aufgespielt. Alle
übrigen Sicherungen, die Apple eingebaut hat, bleiben bei dieser
Methode erhalten.

Alle Methoden, das iPhone zu entsperren, haben aber einen Haken:
Sobald man die iPhone-Betriebssoftware aktualisiert, werden sie
überschrieben, das Apple-Handy wieder gesperrt. Das dürfte auch der
Fall sein, wenn Apple, vermutlich am 9. Juni, das lang ersehnte
Software-Update auf Version 2.0 freigibt. Allerdings behaupten etliche
Hacker, auch diese Version bald freischalten zu können.

Wer also tatsächlich ein per Software-Hack freigeschaltetes iPhone
benutzen will, sollte auch den sportlichen Ehrgeiz mitbringen, sich
regelmäßig über Updates für "seine" Entsperr-Software zu informieren.