Versteckte Entwicklerspäße: Die schrägsten Web-Geheimnisse (Spiegel Online, 28.6.2008)

Versteckte Entwicklerspäße

Die schrägsten Web-Geheimnisse

Der Google-Ninja, ein Jodler bei Yahoo und der fiese Firefox-Roboter – wer die richtigen Geheimcodes kennt, enthüllt im Web so manchen amüsanten Programmierer-Gag. SPIEGEL ONLINE zeigt die kuriosesten Web-Schätzchen.

Spiegel Online, 28.6.2008

Fast 24 Millionen Menschen haben den neuen Gratis-Browser Firefox 3
geladen, installiert und
mit Gratiserweiterungen aufgemotzt (mehr…).
Doch die persönliche Begrüßung des Firefox-Roboters hat kaum jemand
entdeckt – die haben die Programmierer des Browsers sehr gut versteckt.

Wenn man in die Adresszeile des neuen Firefox Browser "about:robots"
(zu deutsch: "über Roboter") tippt, erscheint im Firefox-Fenster ein
Blechmonster mit fies funkelnden Augen und scheppert: "Willkommen
Menschen! Wir sind in Frieden und mit guten Absichten gekommen."

Es folgen absurde Sätze
(siehe Liste unten) über Roboter, die nur versteht, wer viel Science
Fiction gelesen und gesehen hat – so wie die Programmierer des
Firefox-Browser wahrscheinlich.

  • "Gort! Klaatu barada nikto!": Zitat aus dem Science-Fiction-Film
    "Der Tag, an dem die Erde stillstand" von 1951, in dem der
    außerirdische Roboter Gort mit dem Satz "Klaatu barada nikto" davon
    abgehalten wird, die Erde zu zerstören. Eine Übersetzung des Satzes
    fehlt in dem Film allerdings – über die spekulieren Nerds bis heute,
    145.000 Treffer liefert Google für den Nonsenssatz.
  • "Roboter sind dein Kunststoff-Freund für die schönen Stunden des Lebens":
    Ein Zitat aus Douglas Adams‘ Science-Fiction-Satire "Per Anhalter durch
    die Galaxis", in der ein Roboterhersteller so für seine neurotischen
    Aufzüge und paranoiden Helfer wirbt.
  • "Roboter haben Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet.": Ein Zitat aus Ridley Scotts Science-Fiction-Klassiker "Blade Runner". 
  •  "Roboter dürfen Menschen nicht verletzen oder Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird": Eines der drei Robotergesetze aus Isaac Asimovs Science-Fiction-Kurzgeschichte "Runaround".

Google-Teddys, Yahoo-Jodler und der verstecke Amazon-Mitarbeiter –
SPIEGEL ONLINE erklärt, wie die kuriosesten Web-Schätzchen zu finden
sind.

Der Yahoo-Jodler

1996 war der Internet-Gemischtwarenladen Yahoo kaum bekannt. Damals
zahlte das kleine Start-up dem US-Sänger Wylie Gustafson 590 Dollar,
damit er den Firmennamen ein paar Sekunden lang jodelt. Der
Yahoo-Jodler taucht seitdem in dem Fernsehwerbespot der Firma auf, man
hört ihn in den Telefonansagen fast aller Yahoo-Niederlassungen
weltweit und sogar in den Yahoo-Büros selbst, wo Buzzer auf Knopfdruck
losjodeln – früher zumindest, als es bei Yahoo noch Grund zum Jodeln gab (mehr…).

Gut versteckt findet sich dieser historische Sound auf der Startseite von Yahoos US-Angebot: Auf
Yahoo.com muss man
mit dem Mauszeiger auf das Ausrufezeichen in dem großen Yahoo-Logo im
Seitenkopf klicken, dann jodelt Wylie Gustafson los.

Der Yahoo-Jodler Gustafson war mit seinem 590 Dollar Originalhonorar
nicht zufrieden – er hat Yahoo im Jahr 2002 verklagt und sehr schnell
eine außergerichtliche Einigung erreicht. So jodelt Gustafson auch nach
zwölf Jahren – einer Ewigkeit im Web – noch für Yahoo. Und er wird
weiterjodeln, zumindest so lange es noch eine Startseite mit Yahoo-Logo
gibt.


Die Ninjas im Google Reader

 Der
Google Reader ist ein schnörkelloser Web-Dienst für eine kleine
Zielgruppe: Mit dem Reader kann man sehr bequem RSS-Feeds abonnieren,
lesen, einzelne Nachrichten markieren und im Volltext durchsuchen. Sehr
praktisch – aber für die meisten Web-Nutzer wohl etwas zu speziell und
dröge.

Bis auf diese Spielerei: Tippt man im Google Reader eine bestimmte
Kombination aus Pfeiltasten und Buchstaben (
↑ ↑ ↓ ↓ ← → ← → B A), lugt
plötzlich aus der Menüspalte des Google Readers ein Ninja hervor.

Wie kommt man darauf, die zehn Tasten in exakt dieser Reihenfolge zu
tippen? Computerverrückte Nerds (und davon werden sicher einige bei
Google programmieren) kennen die Kombination als den "Konami Code" – in
vielen Videospielen des japanischen Herstellers half diese Kombination
beim Schummeln.

In der englischsprachigen Wikipedia widmet sich ein sehr
ausführlicher Artikel der "Geschichte des Konami-Codes" und seinem "Einfluss auf die Populärkultur".

Demnach hat der japanische Programmierer Kazuhisa Hashimoto den
Schummel-Code als erster Entwickler einem Spiel verpasst, 1985, weil er
den Schwierigkeitsgrad des Schießspiels "Gradius" unerträglich hoch
fand und Spielern eine kleine Hilfe geben wollte. Mit dem Konami-Code
konnten sie in dem Spiel ihr Raumschiff tunen – und heute den Google
Reader.


Googles Teddy-Armee

Wie
süß! Thomas trägt eine rote Schleife und lässt seine tiefschwarzen
Knopfaugen zwischen viel dunkelbraunem Pelz funkeln. Thomas ist ein
Teddybär. Und wenn man in Googles Gratisfotoprogramm Picasa die Tasten Strg + Shift und Y zugleich drückt, taucht ein Bild von Teddy-Thomas in dem Programm auf.

Und mit jedem Tastendruck wächst die Teddy-Armee, bis das
Picasa-Fenster völlig mit braunem Teddypelz und roten Schleifen
überzogen ist.

Wie der Bär in die Google-Software kommt, erklärt das Picasa-Entwicklerteam im
Google-Blog. Teddy Thomas gehört dem US-Fotografen
Noah Grey,
der viel zur Entwicklung von Picasa beigetragen hat: "Ein alter Freund
schenkte Noah diese Bären, der seit mehr als 15 Jahren einen besonderen
Platz in Noahs Leben hat." Ein süßer Teddy, eine schöne Geschichte.


404-Seiten: So witzig können Fehlerseiten sein

Wer sich vertippt und auf spiegel.de eine nicht vorhandene Adresse aufrufen will (wie zum Beispiel
http://www.spiegel.de/404), liest die nüchterne Mitteilung "Die von Ihnen gewählte Adresse/URL ist auf unserem Server nicht bzw. nicht mehr vorhanden."

Das geht auch kryptischer – und witziger: Das US-Computerspielstudio 3D Realms zum Beispiel zeigt per
Zufallsgenerator
ausgewählte verfremdete Fotos seiner Mitarbeiter auf den Fehlerseiten.
Da lümmeln Programmierer mit Imkerhut am Schreibtisch herum, leeren
Pizzakartons neben dem Firmen-Cola-Automaten oder stieren mit riesigen
Pupillen in die Kamera. Unter den Fotos stehen willkürlich ausgewählte,
absurde Sätze wie "Du musst einen toten Verwandten in Hongkong treffen
und den Teddybären beschaffen."

Die Überschrift "40Fnord – Page Not Found" entschlüsselt das
Rätsel ein wenig: Diese Sätze haben ganz schlicht keinen Sinn. Das
Kunstwort Fnord hat der Schriftsteller Robert Anton Wilson erfunden und
in seiner Illuminatus-Trilogie für Desinformationskampagnen benutzt.
Die Scherzbolde bei 3D Realms lassen einen Fnord-Generator ihre Seite mit Gaga-Sätzen bestücken wie "Nixon ignoriert den Hacker-Kongress und imitiert Kannibalen."

Programmiererhumor eben.

Amazons versteckter Mitarbeiter
 

Wer ist David Risher? Amazon-Gründer und -Boss Jeff Bezos schreibt:
"Du warst der Inbegriff dessen, worum es bei Amazon.com geht: hart
arbeiten, Spaß haben, Geschichte schreiben." David Risher war Vize-Boss
bei Amazon, bis er sich 2002 entschied, die Firma zu verlassen und an
der Universität Washington zu lehren.

Bis heute erinnert eine gut versteckte Seite im Angebot von Amazon.com an Risher: Man muss im
Amazon-Gesamtverzeichnis nach ganz unten scrollen und ein mittig unter der Copyright-Fußnote verstecktes durchsichtiges Bildchen anklicken, um auf die
Abschiedsseite für Risher zu kommen.

Da schreibt Bezos neben vielen warmen Worten auch: "Und weil jede
Seite verkaufen muss (und weil ich sicher bin, dass David es nicht
anders wollen würde) hier die Möglichkeit, etwas zu kaufen)." Danach
folgt eine 25-Punkte-Einkaufsliste mit Rishers liebsten DVDs und
Büchern.