Kodak Zi6 und Creative Vado HD: Billige HD-Zwerge gegen die 4000-Euro-Kamera (Spiegel Online, 8.4.2009)

Kodak Zi6 und Creative Vado HD

Billige HD-Zwerge gegen die 4000-Euro-Kamera

Billig, aber in HD: Kleine Videokameras versprechen für wenig Geld Aufnahmen in HD-Qualität. SPIEGEL ONLINE hat zwei Bewegtbild-Knirpse ausprobiert – und mit einer Profikamera verglichen.

Spiegel Online, 8.4.2009

Netbooks sind klein, billig und nicht allzu leistungsstark – aber sie genügen vielen Menschen fürs Surfen und Tippen. Das Netbook-Prinzip auf den Punkt gebracht: gerade genug, dafür günstig. Nach diesem Leitsatz funktioniert auch eine neue Generation von Unterwegs-Videokameras. Die Geräte kosten weniger als 200 Euro, versprechen HD-Aufnahmen und passen in die Hand-, manche sogar in die Hemdtasche.

Zielgruppe: Menschen, die unterwegs gerne mal ein kurzes Video aufnehmen, um es am Computer anzusehen und bei einem Videoportal im Web zu veröffentlichen..

Andererseits ändert sich mit der Brennweite auch der Bildwinkel der Aufnahme. Je kleiner die Brennweite ist, desto größer ist der Winkel. Sprich: Umso mehr Motiv passt auf eine Aufnahme (hilfreich, um breite Fassaden oder Menschengruppen aus nicht allzu großem Abstand aufzunehmen). So hat die kleine Kamera Samsung WB500 für ihr Zigarettenschachtelformat einen erstaunlich großen Brennweitenbereich von Weitwinkeloptik bis 10-fach Zoom (24 bis 240 Millimeter).

Wer aufwendige Filme für den Heimfernseher drehen will, sollte nicht unbedingt zu den HD-Zwergen greifen. Denn das HD-Kürzel führt bei diesen Knirps-Kameras ein wenig in die Irre: Sie nehmen Videos mit einer Auflösung von 720 Zeilen auf – nichts anderes besagt der Zusatz HD. Doch diese technische Auflösung sagt nichts über die Abbildungsqualität aus.

Wofür sind Billig-HD-Kameras gut? SPIEGEL ONLINE testet Bedienung und Ausstattung und vergleicht die Aufnahmen der Zi6 und Vado HD mit Sonys Profigerät HVR-Z1E.

Bedienung – simpel dank weniger Funktionen


Wer eine Billig-HD-Kamera kauft, ist an einfacher Bedienung und ein paar grundlegenden Funktionen interessiert – weniger an einem riesigen Spektrum an Einstellmöglichen und entsprechend komplizierter Bedienung. Die HD-Zwerge von Kodak und Creative machen da alles richtig: Ein großer roter Knopf startet und stoppt die Aufnahme. Die spärlichen übrigen Funktionen sind bei beiden Geräten intuitiv zu finden: Abspielen kann man aufgenommene Clips mit einem Abspielknopf, Zoomen und Spulen per Vier-Wege-Knopf (Vado HD) oder Mini-Joystick (Kodak).

Auch Anschluss und Installation am Rechner funktionieren bei beiden Geräten problemlos: Beide haben einen integrierten USB-Stecker und tauchen nach dem Einstöpseln (das geht beim Vado dank flexiblem Kabel viel einfacher) an PC und Mac als Laufwerke auf. Die aufgenommenen Videos zieht man einfach runter. An einem PC angeschlossen, installieren beide Kameras auf Wunsch ihre Software vom Kameraspeicher – CD einlegen ist überflüssig.

Die Bedienung ist dank reduzierter Funktionen und sinnvoller Anordnung der Elemente bei beiden Geräten ein Vergnügen: Einschalten, Filmen, Hochladen.

Ausstattung – wenig Extras, wenig Ärger

Bei der Linse unterscheiden sich die HD-Zwerge: Die Vado hat eine geringere Brennweite, nimmt mit einem weiteren Winkel auf als Kodaks Zi6. Beide Geräte können zoomen, die zweifache digitale Vergrößerung sollte man aber nicht allzu ernst nehmen.

Die günstigere Kodak-Kamera (billigster Onlinepreis knapp 140 Euro im Vergleich zu 175 für die Vado) hat ein größeres Display (2,5 statt 2 Zoll). Aber auch hier gilt: Die Qualität dieser Bildschirme genügt allein, um zu erahnen, dass man das Motiv auf der Aufnahme hat – Schärfe und derlei kann man auf diesen Displays nicht erkennen, da macht auch der Größenunterschied nichts aus.

Ein echter Unterschied: Die Vado HD hat einen acht Gigabyte großen, fest eingebauten Speicher. Die Kodak-Kamera muss man selbst mit CF-Karten ausrüsten (acht Gigabyte sind derzeit für etwa 15 Euro zu haben) – was ein Vorteil ist: Statt Aufnahmen zu löschen, kann man auch einfach die Speicherkarte austauschen.

Noch ein Unterschied: In Kodaks Zi6 passen Standard AA-Akkus, in die Vado HD nur spezielle Creative-Akkus. Allerdings ist die Vado dafür auch kleiner – der Volumen-Unterschied ist mit dem einer normalen und einer Bigpack-Zigarettenschachtel zu vergleichen.

Beim Zubehör fällt Creative positiv auf: Der Hersteller packt zur Vado HD ein HDMI-Kabel (zum Anschluss an HD-Fernseher) und eine USB-Verlängerung, die beim Kodak-Player mit seinem starren USB-Stecker viel nötiger wäre, um das Gerät zum Beispiel an einem Notebook anzuschließen, dessen eng beieinander sitzende USB-Buchsen belegt sind. Kodak liefert immerhin ein AV- und ein YUV-Kabel mit.

Bildqualität und Fazit


Natürlich kann man zwei HD-Zwerge im Handyformat nicht mit einer Profikamera wie der Sony HVR-Z1E vergleichen. Doch die Aufnahmen veranschaulichen sehr gut, wofür solche Knirpse nicht gut sind: Wer farbechte oder auch farbnahe Bewegtbilder, Details und Schärfe will, sollte auf die Mini-Kameras verzichten.

Die Videoclips der Vado und der Zi6 wirken, als wären sie von einem Grauschleier überzogen, Details sind verwaschen, auch bei Tageslicht. Die weißen Tasten eine Akkordeons zum Beispiel sehen bei der Aufnahme mit der Vado HD aus wie eine große, weiße Fläche – die dunklen Abstände zwischen den Tasten bildet der HD-Zwerg einfach nicht ab.

Je nach Aufnahmesituation liefert mal die Vado HD, mal die Zi6 bessere Ergebnisse. Insgesamt wirken die Bewegtbilder der Vado HD störungsfreier und schärfer (allerdings verstärkt die Software Kontrast und Sättigung erheblich) – das ist aber ein Vergleich auf sehr niedrigem Niveau.

Trotzdem: Für Schnappschüsse bei Tageslicht eignen sich beide HD-Zwerge. Einmal in Flash umgerechnet und auf einem Computermonitor in Web-Format betrachtet, sind die Unterschiede zwischen Kodak Zi6 und Vado HD signifikant: Die Creative-Kamera liefert bessere Bilder, bei denen man in der Web-Ansicht nicht immer den Klassenunterschied zu 4000-Euro-Kamera Sony Z1 erkennt.

Bei Kodaks Zi6 trat beim Test allerdings ein merkwürdiger Fehler auf: Spielt man die Aufnahmen am Mac ab, sehen sie ordentlich aus, an PCs jedoch ruckeln die Aufnahmen, wenn man nicht die Kodak-Software installiert hat.

Fazit: Die Geräte sind nicht billig, sondern preiswert – und so sehen die Aufnahmen auch aus. Für Gelegenheitsfilmchen völlig ausreichend – sie bieten viel mehr als die Videos einer Handykamera. Eine echte Empfehlung fällt schwer – harte Kriterien wie Bildqualität und Ausstattung fallen in dieser Geräteklasse kaum ins Gewicht.

Weil man mit HD-Zwergen wie der Vado HD und der Zi6 nur Gelegenheitsfilmchen machen kann, ist eine Kamera empfehlenswert, die man immer dabei hat. Da ist die kleine Vado HD eindeutig im Vorteil. Dass man Kodaks Zi6 dank Wechselspeicher auf bis zu 32 Gigabyte Speicherplatz erweitern kann, klingt auf dem Papier gut, aber mal ehrlich: So viel wird niemand am Stück mit dem Gerät filmen.