Geotagging-Anleitung: So verorten Sie Fotos per Billig-GPS (18.12.2009)

Geotagging-Anleitung

So verorten Sie Fotos per Billig-GPS ab

Wo habe ich das fotografiert? Geotagging hilft Vergesslichen: Software für Schnappschüsse mit Positionsdaten zusammen, die dafür nötigen GPS-Empfänger sind billig wie nie. SPIEGEL ONLINE hat einen 50-Euro-Tagger ausprobiert und mit Luxus-Hardware verglichen.

Spiegel Online, 18.12,2009

Es kostet weniger als ein Essen beim Italiener nebenan und speichert die Position jedes aufgenommenen Fotos: Im Handel kosten Geotagger inzwischen weniger als 50 Euro. Diese kleinen Kästchen peilen unterwegs GPS-Satelliten an, bestimmen die aktuelle Position und speichern Koordinaten und Zeitpunkt, damit man aufgenommene Fotos um den Aufnahmeort ergänzen kann.

Dieses sogenannte Geotagging war lange ein manchmal aufwendiges, nicht ganz billiges Hobby. Was taugt der Billig-Geotagger? Bekommt man für mehr Geld mehr Komfort? Wir vergleichen drei Geotagger:

  • Der i-gotU GT-120 (44 Euro beim günstigsten Online-Händler) zeichnet kontinuierlich Positionsdaten auf, die später per Extra-Software in die Bilddateien geschrieben werden müssen.
  • Der Jobo PhotoGPS (74 Euro) ist nur an Kameras mit Blitzschuh nutzbar. Vorteil: Das Gerät speichert nur die Position, wenn ein Foto gemacht wird und schont so die Akkus. Außerdem liefert der Hersteller eine umfangreiche Software zur Synchronisierung der Positionsdaten mit den Digitalfotos mit, die nicht nur die Koordinaten in die Metadaten schreibt, sondern auch Adressinformationen und Sehenswürdigkeiten.
  • Der Tagger Phottix Geo One (103 Euro) arbeitet mit Nikon-Spiegelreflexkameras zusammen. Das Gerät wird in den Blitzschuh der Kamera gesteckt und schreibt die Positionsdaten direkt in die abgespeicherten Bilddaten (JPG und RAW) – eine nachträgliche Synchronisierung per Geotagging-Software ist nicht nötig.

Unterwegs – so gut finden sich die Tagger zurecht

Unterwegs fallen die technischen Unterschiede der drei Geräte nicht immer ins Gewicht. Es kommt darauf an, wie man seine Kamera nutzt: Wer die Spiegelreflex in einer Tasche herumträgt, wird sich vielleicht am Blitzschuh-Aufsatz stören – die teureren Geotagger Jobo PhotoGPS und Phottix Geo One machen die Kamera deutlich unhandlicher. Wer draußen unterwegs ist und Fotos per Geotagger verortet, wird wohl nur selten mit Blitz arbeiten. Wenn man doch blitzen will, muss man die teuren Geotagger erst vom Blitzschuh ziehen. Den Billig-Geotagger i-gotU steckt man einfach in die Außentasche des Rucksacks.

Beim Selbstversuch unterschieden sich die Geräte nicht gravierend bei der Genauigkeit der Ortsbestimmung: Der Phottix-Geotagger lieferte in der Stadt die zuverlässigsten Daten, beim i-gotU gab es zwischendurch kleine Aussetzer, wo der Tagger wohl den Kontakt zu den Satelliten verlor. Richtig schlimm sind diese Lücken aber nicht, da der i-gotU Geotagger kontinuierlich Positionsdaten schreibt, solange er eingeschaltet ist.

Fehlen zwischendurch ein paar Wegpunkte, kann man beim Synchronisieren einfach den vorangegangen oder folgenden zuordnen. Wenn man weitergelaufen ist, stimmt die Position dann natürlich nicht mehr auf den Meter genau, das dürfte aber die meisten Hobby-Geotagger nicht allzu sehr stören.

Störend, aber bisweilen vermeidbar ist die nervige Einschaltpause bei den Blitzschuh-Taggern von Jobo und PhotoGPS: Die Tagger brauchen nach dem Einschalten natürlich etwas Zeit, um ihre Position zu bestimmen. Man sollte also schon zwei, drei Minuten vor der ersten Aufnahme Tagger und Kamera einschalten (wenn man denn vorher weiß, dass man bald ein Motiv fotografieren will).

Die Unterwegsbedienung ist bei allen drei Geräten brauchbar – beim Jobo und iGotU-Tracker zeigen LEDs an, dass sie aktiv sind und Signale empfangen, beim Phottix-Tagger kann man das übers Kameramenü prüfen und bei Aufnahmen sehen, ob Positionsdaten gespeichert wurden. Wichtig: Die Kamerazeit muss korrekt eingestellt sein, weil beim Jobo und iGotU-Tagger die Position auf Basis der Uhrzeit synchronisiert wird.

Daten synchronisieren – günstig, aber hakelig

Der wesentliche Vorzug des teuren Phottix-Geotaggers wird deutlich, wenn man vom Fotografieren nach Hause kommt: Beim Phottix-Tagger ist die Lokalisierungsabeit schon erledigt. Ganz gleich, ob man die Aufnahmen im Rohdaten- oder JPG-Format von der Kamera hat speichern lassen, ganz gleich, mit welchem Programm man sie weiterverarbeitet: Die Positionsdaten sind bereits in der Kamera in den Bilddaten (in den sogenannten Exif-Tags) gespeichert.

Bei den günstigeren Taggern ist das nicht so einfach. Grundsätzlich braucht man ein Programm, das die Fotos und Positionsdaten anhand der Aufnahmezeit abgleicht und die Koordinaten in den Bilddateien speichert.

Der Jobo PhotoGPS Tagger lässt sich leider nur mit der vom Hersteller mitgelieferten Software auslesen, weder am Mac noch am PC wird der per USB angeschlossene Tagger als Laufwerk erkannt. Die mitgelieferte Software erledigt den Synchronisierungsjob ganz gut, schreibt standardmäßig auch noch allerlei Informationen in die Exif-Tags des Fotos, die man nicht unbedingt wissen will (Straßennamen, Sehenswürdigkeiten in der Nähe der Koordinaten und so weiter).

Je nachdem, mit welchem Programm man seine Bilddaten bearbeitet und verwaltet, ist der Umgang der Jobo-Software mit Rohdaten störend: Die Software speichert die Positionsdaten nicht in den Bilddateien, sondern in zusätzlichen XMP-Dateien, mit denen zum Beispiel die Apple-Bildorganisierer Aperture und iPhoto wenig anfangen können (anders als Adobes Lightroom).

Der Billig-Geotagger iGotU hingegen ist da etwas flexibler: Mit den mitgelieferten Windows-Treibern lässt sich vom per USB angeschlossenen Gerät (unsinnigerweise mit einem proprietären Stecker, den man bei Verlust nicht einfach durch ein anderes Standard-Mini-USB-Kabel ersetzen kann) eine Datei mit den Wegpunkten im Standardformat GPX auf den Rechner laden. Für Mac OS X und Linux-Rechner gibt es ein von Freiwilligen geschriebenes Treiber-Paket kostenlos ( hier).

Software-Tipps – diese Helfer synchronisieren Koordinaten und Fotos

Es gibt ein gutes Dutzend unterschiedlicher Formate, in denen GPS-Empfänger Positionsdaten speichern. Es kommt immer wieder vor, dass Daten, die ein Gerät liefert, nicht von der Synchronisierungssoftware verstanden werden. In diesem Fall hilft GPSBabel, die freie Software konvertiert auf Windows-, Linux- und Mac-OS-X-Rechnern Log-Dateien aller möglichen Formate in alle erdenklichen anderen.

  • GPIsync: Das Gratisprogramm (Mac OS X / Windows) synchronisiert Positionsdaten mit Fotos – übersichtliches Interface, schnell und stabil.
  • Geosetter: Die Freeware für Windows kommt mit einer Menge GPS-Log- und Bild-Formaten zurecht, man kann auch Fotos mit Hilfe von Google Maps verorten.
  • Jeffrey Friedls GPS-Plugin für Adobe Lightroom (Donationware): Die wohl beste GPS-Erweiterung für ein Bildverwaltungsprogramm. Ermöglicht das Taggen aus Tracklogs, aber auch anhand von Google Maps direkt in Lightroom (Mac / Windows).

Fazit – billig ist gut genug

Uns haben im Test der Billig-Geotagger iGotU 120 und der teure Phottix Geo One gleich gut gefallen: Beim Phottix-Tagger hat man keinen Aufwand beim Bearbeiten der Daten, dafür klemmt beim Fotografieren der unhandliche Tagger auf der Kamera.

Wenn man mit der richtigen Software (der GPS-Erweiterungen für Lightroom etwa) arbeitet, ist der Aufwand zum nachträglichen Taggen der Fotos mit den vom iGotU-Tagger aufgezeichneten Koordinaten minimal. Wer die Fotos direkt in Lightroom lädt, muss die Daten nicht einmal umkopieren. Der iGotU-Tagger ist günstiger, beim Fotografieren handlicher. Vor allem aber sind die vom Billig-Tagger aufgezeichneten Koordinaten weit flexibler nutzbar. Man kann mit dem iGotU Fotos jeder Kamera nachträglich ergänzen, man kann auch Wegprotokolle auf Google-Karten zeichnen oder Fotoalben damit verschönern – denn der Billig-Tagger zeichnet alle 15 Sekunden Koordinaten auf, nicht nur bei jedem Foto. Man zahlt weniger und kann mehr mit den Daten machen. Dass der Bedienkomfort und die Genauigkeit da manchmal hinter der teureren Konkurrenz zurückbleiben, kann man bei dem Preis-Leistungs-Verhältnis verschmerzen.

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