Gratis-Web-Dienste Wie Sie die guten Vorsätze einhalten (Spiegel Online, 5.1.2010)

Gratis-Web-Dienste

Wie Sie die guten Vorsätze einhalten

Fasten Sie noch, oder schummeln Sie schon? Jedes Jahr beginnt mit guten Vorsätzen, doch nach einer Woche sind die meisten gebrochen. Jetzt gibt es Hilfe: SPIEGEL ONLINE zeigt Internetseiten, die Ihnen Disziplin beibringen – mehr Sport, mehr sparen, mehr Spaß dabei haben.

Spiegel Online, 5.1.2010

Mehr Sport, weniger Süßigkeiten, endlich das Rauchen aufhören und den Dachboden aufräumen – der Januar beginnt mit vielen Vorsätzen. Kurz darauf sind die meisten vergessen, bis man sie sich zum nächsten Jahreswechsel wieder vornimmt und alte Bekannte entdeckt.

Das muss nicht sein.

Am einfachsten wäre es, auf einem Zettel die fünf wichtigsten Ziele zu notieren und den gut sichtbar an den Kühlschrank zu hängen. Das motiviert allerdings nicht besonders. Keiner treibt einen an, die Ziele sind viel zu allgemein, so dass man keine kleinen Erfolgserlebnisse hat, sobald man Zwischenziele erreicht.

Mit kostenlosen Internetdiensten lässt sich die Motivation erheblich steigern – wie? SPIEGEL ONLINE stellt die besten Gratishelfer vor:

Digitale To-do-Listen

Rememberthemilk ist der Klassiker der To-do-Listen im Internet. Der Dienst kann schon in der Gratisversion einiges besser als jede Kühlschranknotiz: Man kann mehrere Listen anlegen (Arbeit, Großprojekte, Sport) und in jeder dieser Kategorien viele kleine Unterziele definieren, Deadlines setzen, Schlagworte vergeben und Notizen hinzufügen.

Eine große Aufgabe in kleine sinnvolle Schritte aufzuteilen, hilft enorm, um mit einem Projekt anzufangen. Man plant die Zeit besser ein, überblickt von Anfang an, wie viel eigentlich zu tun ist, und schafft sich zwischendurch kleine Erfolgserlebnisse, wenn man etwas abhaken kann. Schön an Rememberthemilk ist, dass man Freunde einladen und mit ihnen einzelne Aufgaben oder Kategorien teilen kann. Lob, freundliche Nachfragen und etwas Aufmunterung von einem lieben Menschen hilft manchem Aufschieber sicher beim Abarbeiten der Vorsätze.

Die Listenstruktur von Rememberthemilk eignet sich für klassische Neujahrsvorsätze wie das Abnehmen weniger als für größere Vorhaben, die aus vielen Einzelprojekten bestehen (Wohnung renovieren, Buch schreiben, Geschäftsideen ausprobieren). Da ist Rememberthemilk auch für den kleinen Alltagskram (Steuerklärung, Einkäufe) ideal.

Wer 25 Dollar bezahlt, kann ein Jahr lang Rememberthemilk auch auf allen erdenklichen Mobilgeräten nutzen; es gibt spezielle Programme für das iPhone, Blackberrys, Android- und Windows-Mobile-Telefone. Das ist sehr praktisch, wenn man mit der Anwendung die vielen Alltagskleinigkeiten notiert.

Rememberthemilk ist sehr umfangreich – doch wer auf diese Funktionsfülle (Notizen, Schlagworte, Ortsangaben, Mobil-Apps) verzichten kann, ist mit den Gratis-to-do-Listen bei Verbapp besser beraten. Auch hier kann man übergreifende Projekte anlegen und ihnen Unteraufgaben zuordnen und diese mit ausgewählten Kontakten teilen. Alle darüber hinausgehenden Feinheiten von Rememberthemilk fehlen zwar, aber wer keine Aufgaben verschieben, mit Zeiteinschätzungen, URLs und Notizen versehen will und auf die Verfügbarkeit auf Mobilgeräten verzichten kann, ist damit wohl bestens bedient.

Noch simpler ist Joe’s Logbook. Der Gestaltung dieses kostenlosen Dienstes merkt man allerdings an, dass es sich um ein Ein-Mann-Freizeitprojekt handelt.

Ein wichtiger Hinweis zur Datensicherheit: All diese Dienste speichern sämtliche Nutzerdaten auf ihren Servern. Allein Rememberthemilk bietet eine SSL-verschlüsselte Datenübertragung an, aber auch das sichert nur die Kommunikation mit dem Server ab – nicht die Daten auf demselben. Informationen, die auf jeden Fall geheim bleiben sollen, sollte niemand in seiner Web-basierten To-do-Liste speichern.

Wie haben die das gemacht?

Leider fehlt der Vorsatz-Gemeinschaft 43Things.com eine deutsche Nutzergemeinde – aber wer englisch schreibt, wird vielleicht Gefallen an dem Dienst finden.

Bei 43Things.com bilden sich Netzwerke um Vorsätze herum. Man gibt ein, was man erreichen will, und sieht sofort, wer dasselbe Ziel verfolgt. Und vor allem, wer es schon erreicht hat und wie das geklappt hat. Die Seite bündelt Tipps, Erfahrungsberichte und Foren mit Hilferufen, Ratschlägen und Erfolgsgeschichten.

Die derzeit beliebtesten Neujahrsvorsätze der 43Things-Nutzer klingen sehr vertraut. Die Top drei: Abnehmen, Dinge nicht mehr aufschieben, glücklich sein.

Mehr Sport!

Beim Vorsatz-Klassiker Abnehmen hilft der auch in der Gratisversion brauchbare Online-Dienst Traineo. Die US-Seite ist im Grunde genommen eine aufgehübschte Variante einer simplen Trainingstabelle, in der man vermerkt,

  • wie viel man isst,
  • wie lange man welchen Sport macht,
  • wie viel man derzeit wiegt und
  • wie viel man zu einem bestimmten Wunschtermin wiegen will.

Traineo verarbeitet die Eingaben in schönen und motivierenden Verlaufskurven mit klaren Angaben, wie viel man geschafft hat, wie weit man noch vom Ziel entfernt ist und was man schon geschafft hat. Der Dienst schickt regelmäßig per E-Mail Zusammenfassungen der Trainingswoche. Die kann man auch einem ausgewählten Motivator zukommen lassen – der dann hoffentlich mahnt oder lobt.

Bei den Grundeinstellungen sollte man bei Traineo allerdings aufpassen: Standardmäßig sind sämtliche Profildetails für alle registrierten und nicht-registrierten Nutzer der Seite sichtbar. Das sollten an ihrer Privatsphäre Interessierte sofort abstellen (Edit Profile > Privacy). Und Traineo am besten mit einem Phantasienamen nutzen.

Wer läuft und dabei mit einem iPod Musik hört, wird mit dem Bewegungssensor Nike+ für den iPod viel Spaß haben: Mit einem passenden Klettband kann man das kleine 25-Euro-Gerät an den Schnürsenkeln aller Laufschuhe befestigen, es misst auch dann recht zuverlässig die zurückgelegte Strecke. Der iPod zeichnet die Daten auf und gibt unterwegs über die Kopfhörer aufmunternde Ansagen, wie viel der geplanten Strecke oder Zeit man schon geschafft hat.

Zu Hause kann man die aufgezeichneten Daten zur Laufstrecke dann über iTunes mit einem Account bei der der Nike-Laufgemeinschaft synchronisieren und über Monate hinweg die Trainingsgewohnheiten analysieren. Die Seite hat sich beim Testen in den vergangen Monaten allerdings als sehr langsam erwiesen.

Ausgaben kontrollieren

Mit dem Dienst Kontoblick ist es ein wenig wie mit Google Mail: Man opfert die Gewissheit, seine vertraulichen Daten daheim auf der eigenen Festplatte zu haben, für den Komfort, sehr einfach große Datenmengen zu analysieren.

Konkret: Der deutsche Anbieter Kontoblick ermöglicht es, bei knapp 1800 deutschen Banken Kontoumsätze über Direktabruf oder den Upload von standardisieren Datensätzen zu analysieren. Man kann Einnahmen und Ausgaben in Kategorien sortieren lassen. Viele Standardumsätze (Strom, Gehalt, Amazon-Einkäufe) sortiert die Software automatisch in passende Kategorien, man kann aber auch kinderleicht eigene Regeln vergeben, Kategorien anlegen und vor allem Budgets planen.

Die Bedienung des Dienstes ist einfacher als die der meisten gängigen Finanzplanungsprogramme. Die Daten werden SSL-verschlüsselt übertragen, der Direktabruf über HBCI per PIN autorisiert. Trotzdem: Auch wenn man zur Anmeldung nur eine gültige E-Mail-Adresse und eine Postleitzahl eingeben muss (nicht den vollständigen Namen oder die Anschrift), wird manchen Nutzer das ungute Gefühl abschrecken, seine Giroumsätze auf den Servern eines Dienstleisters zu speichern. Ein Blick in die Datenschutzbestimmungen der Firma offenbart auch eine mögliche Erlösquelle der Firma, die nicht jeden Nutzer freuen dürfte: „Kontoblick darf weiterhin meine übermittelten finanziellen Daten zu Marktforschungszwecken in anonymisierter Form, d.h. nur bezogen auf meine Postleitzahl, nutzen und an Dritte weitergeben.“

Fazit: Ein sehr nützlicher Dienst, der einem in wenigen Minuten Überblick über die eigenen Ausgaben und Einnahmen gibt. Bevor man Kontoblick allerdings mit Umsatzdaten füttert, sollte man sich sehr gut überlegen, ob man diese Daten einer Firma anvertrauen will.

Eine kostenlose Alternative ist die Software GnuCash. Das Finanzverwaltungsprogramm kann Umsatzdaten per HBCI importieren, aber auch Datensätze im OFX-Format einlesen. Einige Banken (zum Beispiel 1822direkt) bieten beim Online-Banking den Export der Umsätze in diesem Format an.

Die für Windows-, OSX- und Linux-Systeme erhältliche freie Software speichert die Daten nur lokal, bietet viele Analysewerkzeuge zur Kontenübersicht, Bilanzierung und zum Vergleich von Einnahmen und Ausgaben. Die automatische Kategorisierung von Umsätzen ist nicht so schnell und leicht erledigt wie bei Kontoblick – dafür liegt die Übersicht der persönlichen Finanzen nicht auf einem Server, sondern allein auf der heimischen Festplatte.

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Welche Tipps haben Sie fürs Verwalten von guten Vorsätzen? Wie arbeiten Sie Ihre To-do-Listen ab? Wie motivieren Sie sich für die großen Vorhaben? Wie analysieren Sie Ihre Ausgaben? Teilen Sie Ihre Erfahrungen im Forum hier auf SPIEGEL ONLINE (siehe unten) oder auf der Facebook-Seite von „So geht das!“