Aufbauhilfe: Warum wir die globale GEZ-Gebühr brauchen (Spiegel Online, 2.2.2010)

Aufbauhilfe

Warum wir die globale GEZ-Gebühr brauchen

Spiegel Online, 2.2.2010

Früher hatte die GEZ ein Logo ohne Punkt, eine Postfach-Adresse für Formulare und wollte Geld.

Seit diesem Dienstag hat die GEZ ein Logo mit Punkt, eine neue Webseite mit Mitarbeiterblogs und Forum (aber nur werktags bis um zehn) und will neben Geld auch noch Tipps. Die anonyme GEZ-Bloggerin Anja M. formuliert es sehr schön in ihrem Auftakt-Artikel: „Als Bloggerin freue ich mich über zahlreiche Anregungen, Lob und auch konstruktive Kritik zu unseren Beiträgen.“

Aber gerne!

Endlich fragt die Gebührenzahler mal einer, wie man die GEZ noch besser machen kann. Wir haben da ein paar Ideen.

GEZ-Gebühren für Österreich, GEZ-Partys und Schwarzseher-Jagden – f ür den Anfang hier unser Fünf-Punkte-Programm.

Mehr Ausrufezeichen!

Für den neuen Online-Auftritt hat sich die GEZ ein frisches Logo schnitzen lassen. Denn, so erklärt die GEZ-Bloggerin Vera Z.: „Alles ist im Wandel.“ Dass die GEZ sich diesem Wandel nicht entzieht, zeigt das neue Logo. Sagt die GEZ. Es war hart, auf die “ uns so gewohnten, typischen Buchstaben“ zu verzichten. Aber das neue Logo (es besteht aus denselben Buchstaben) ist einfach „runder, stimmiger, freundlicher“ (schreibt die GEZ) und endet mit einem „entschlossenen Punkt“.

Wer hat das nur gestaltet: Dieser Klecks soll Entschlossenheit ausdrücken? Wohl kaum. Kleiner Tipp: Ein Ausrufezeichen wäre entschlossener als ein Punkt! Oder zwei!! Wenn es nicht zu viel kostet, vielleicht auch drei!!! Das Ausrufezeichen ist das Mittel der Wahl.

Die GEZ könnte die Entwicklungs- und Druckkosten auch sparen, indem sie auf die „so gewohnten, typischen Buchstaben“ verzichtet und sich einfach !!! nennt.

Gerne auch in Grün.

 

GEZ-Programmzeitschriften empfehlen Qualität

Die GEZ-Mitarbeiter ackern bis in die Nacht. Die GEZ-Bloggerin Anja M. zum Beispiel hat ihren ersten Eintrag am Montagabend um kurz vor sieben veröffentlicht. Und so soll das weitergehen, wenn man dem GEZ-Blog-Manifest glaubt: „Der Mitarbeiterblog ist unser ‚Tagebuch‘ als GEZ-Mitarbeiter: Hier gehen wir auf aktuelle Fragen zum Thema Rundfunkgebühren ein, setzen diese in Bezug zu unserem Arbeitsalltag oder empfehlen vielleicht einfach einen neuen Fernsehfilm.“

Gute Idee!

Wenn jemand weiß, was Gutes im Fernsehen läuft, dann ja wohl die GEZ-Mitarbeiter, die Tag für Tag Gebührenzahlern in U-Bahnen, auf Geburtstagsfeiern und vor Gericht erklären, was für großartige Fernsehfilme sie für ihre Gebühren bekommen.

Warum sollte man das nur am späten Abend bloggen? Ein, zwei Stunden mehr jeden Tag und die GEZ hätte ohne Zusatzaufwand eine eigene Fernsehzeitschrift geschrieben. Prima Stoff für die Eigenwerbung. In den herkömmlichen Programmheften der nicht-gebührenfinanzierten und daher voreingenommenen Verlage steht ja auch nirgends, was mit Hilfe der GEZ finanziert wurde. Und wie viel es gekostet hat.

Unser Rat: Ein Wochenheft („GEZ aktuell“?) mit Tipps zu gebührenfinanzierten Fernsehperlen. Es wird im Rahmen der Grundversorgung kostenlos allen deutschen Haushalten zugestellt, besonders gute Sendungen werden mit drei !!! ausgezeichnet.

So könnte man das Heft natürlich auch nennen: Die drei Ausrufezeichen. Untertitel: zahlen, gucken, freuen.

Eine kleine Gebührenerhöhung nicken die Gremien bestimmt ab, um sicherzustellen, dass dieser schöne Service in bester öffentlich-rechtlicher Tradition auch weiterhin kostenlos bleibt.

 

Global denken! GEZ-Gebühren für Österreich!

Bevor Scherzbolde damit begannen, die Zahl Pi im Zahlen-Thread des GEZ-Forums zu posten, meldete sich eine gewisse „Karin“ als erste mit dieser großartigen Idee: „Ich bin dafür, dass alle für Radio und Fernsehen zahlen, egal, ob sie die entsprechenden Empfangsgeräte haben oder nicht.“ Wenn einfach alle für alles zahlen, sei weniger Bürokratie nötig und im Endeffekt werde es billiger und gerechter.

Doch die Idee einer GEZ-Steuer ist etwas zu national gedacht. Denn heute schon leben Millionen GEZ-Steuerflüchtige im Ausland und entziehen sich so der Gebührenpflicht. Viele Menschen im Ausland schauen sich täglich die Internetseiten von ARD und ZDF an und zahlen gar keine GEZ-Abgaben. Ganz Österreich etwa guckt das deutsche GEZ-Fernsehen, ohne dafür zu zahlen. Halb Mallorca sowieso. Und dann die GEZ- und Steuerflüchtigen in der Schweiz!

Das ist ungerecht: Deutschland versorgt den Planeten mit hochwertigem Qualitätsfunk (Man schaue nur aufs heutige Programm: „Sturm der Liebe“, „Tierische Kumpel“, „Alisa – Folge deinem Herzen“, „Karnevalissimo“! Und dann erst all die intellektuellen Perlen im Programm nach 23.45 Uhr!) alle schauen gern zu, aber nur die Bundesbürger zahlen. Fair wäre da ein einheitlicher GEZ-Beitragssatz für alle Menschen auf der Welt – egal, ob sie die entsprechenden Empfangsgeräte haben oder nicht. Das würde Schluss damit machen, dass sich viele um die Gebühr drücken.

Eine globale Pauschalabgabe hätte den Vorteil, dass die GEZ sich nicht im Ausland auf die Lauer legen und die Schwarzseher überführen muss. Mal ehrlich, welcher Österreich hat heutzutage wirklich weder Radio noch TV, Handy oder Computer und guckt damit nicht heimlich deutsches Qualitätsfernsehen?

Die globale GEZ-Gebühr wäre nicht nur einfacher (weniger Personalaufwand und weniger Bürokratie), sondern auch gerechter. Das könnte man in bilateralen Verträgen regeln – die Staaten führen einfach pauschal für alle angemeldeten Einwohner Gebühren an die GEZ ab.

Allerdings sollte man zur Sicherheit eine kleine Global-GEZ-Truppe bei der Uno andocken. Alle vier oder fünf Jahre sollten die internationalen Beobachter schon in den Mitgliedstaaten gucken, wie viele Einwohner da vorgehalten werden. Könnte ja sein, dass da ein paar Staaten bei der GEZ-Gebühr pfuschen und ein paar Einwohner bei der Anmeldung verschweigen. Niemand würde zum Beispiel Österreich unterstellen, dass die ein paar Kärntner nicht bei der GEZ anmelden würden. Aber Kontrolle ist besser.

 

Toller als Tupper – die GEZ-Party

Die anonyme GEZ-Bloggerin Daniela K. zeigt, wie man die Welt fürs Gebühren-TV begeistert: Sie führt auch am Wochenende auf der Geburtstagsfeier von Bekannten gern mal „eine rege Diskussion über die Gebührenpflicht“ und „die Arbeit der Beauftragten“ mit „scheinbar netten Kerlen“.

Ja, so steht das im GEZ-Blog. Da steht auch: „Wir machten uns gemeinsam auf die Suche nach dem Kühlschrank und unterhielten uns noch eine Weile. Es wurde noch ein langer Abend…“ Und auch da: „Die geschilderte Situation ist kein Einzelfall.“

Das kann man ganz groß aufziehen: Überteuerte Plastikbehälter kaufen Menschen ja angeblich auch auf Partys, weil man die da mit Freunden ausprobieren kann. Jeder GEZ-Mitarbeiter sollte Gebühren-Partys wie Daniela K. feiern. GEZ-Fernsehen an (Volksmusik?), Getränke raus und dann einfach mit „scheinbar netten Kerlen“ unermüdlich „rege Diskussionen“ über die Gebührenpflicht führen, ein paar Qualitätssendungen vorführen, die neueste Ausgabe der drei Ausrufezeichen verteilen und hoffen, dass es ein langer Abend wird.

 

Fieser als Farmville – GEZ-Gaming

Wie spannend ist das denn? Der GEZ-Alltag, den die anonyme Bloggerin Vera Z. da beschreibt, ist Computerspiel-Stoff: „Jedes einzelne Teilnehmerkonto ist anders, jeder Teilnehmer unterschiedlich, kein Brief wie der vorherige. Die Sachverhalte erfordern oft ‚Sherlock Holmes Qualitäten‘.“

Wow. So was haben wir schon lange nicht mehr gespielt. Millionen Menschen spielen auf Facebook gerade Farmville, das sich so zusammenfassen lässt: pflanzen, gießen, ernten, melken. Wie scharf wären diese Leute darauf, endlich mal ein Game zu spielen, das „Sherlock Holmes Qualitäten“ verlangt, wenn auch nur in Anführungszeichen?

Das Spielprinzip „Schnapp den Nicht-Zahler“ ist ideal für soziale Netzwerke wie Facebook. Man kann Fanggruppen beitreten, in einer Schnüffelliga die Aufdeckungsquoten mit anderen vergleichen und jeden Erfolg posten.

Die zehn besten Spieler gewinnen jede Woche drei GEZ-Freimonate.