Ärgerliche Fehlfunktionen: Die spinnt, die Technik (Spiegel Online, 20.5.2010)

Ärgerliche Fehlfunktionen

Die spinnt, die Technik Apple-Mails

Kabelärger, Handy-Chaos, kryptische Produktnamen: Im Alltag lauern Technikmacken, die einem den letzten Nerv rauben. SPIEGEL-ONLINE-Leser erzählen ihre schlimmsten Erlebnisse.

Spiegel Online, 20.5.2010

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Es gibt sie noch, die guten Dinge, die einfach funktionieren. Ein Löffel zum Beispiel erledigt immer, wofür er konstruiert wurde. Genial!

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Das klappt bei ähnlich simpler Technik gar nicht. Papierspender zum Händeabtrocknen zum Beispiel geben je nach Füllstand entweder mindestens 20 Blatt auf einmal raus, oder aber man muss enorm zerren und kämpfen, um überhaupt ein Blatt herauszukriegen (wenn der Spender zu prall gefüllt ist).

Eifrig haben SPIEGEL-ONLINE-Leser zwei Jahre lang die idiotischsten Techniktücken gemeldet, die ihnen im Alltag aufgefallen sind. Nun ist die SPIEGEL-ONLINE-Liste der Design-Dummheiten als Buch erschienen (siehe Kasten links), aber es kommen immer noch bemerkenswerte Nachträge dazu.

Kabelwirrwarr an der Decke, Mobilfunkchaos im Grenzgebiet – SPIEGEL ONLINE zeigt große und kleine Technik-Ärgernisse.

HB965TZ oder RDXV48DTKTF – Kryptische Produktnamen

Kennen Sie den TX-L32D25E? Der ist nicht ganz so schön wie der TX-P65VT20E, aber dafür günstiger. Beide sind Fernseher des Elektronikkonzerns Panasonic, der offenbar davon ausgeht, dass die Käufer mit kleinen Notizzetteln durch die Elektromärkte laufen, fleißig protokollieren und den Verkäufern die Papierschnipsel vorzeigen, um nie den Namen eines Geräts aussprechen zu müssen.

Ein Panasonic-Produktmanager erklärt auf Anfrage: „Die Produktnamen sind bei genauer Betrachtung überhaupt nicht kryptisch. TX heißt Fernseher mit Videotext, P steht für Plasma, 65 gibt die Bildschirmdiagonale des Modells in Zoll an, VT20 das Design beziehungsweise die Serie. Die Modelle der VT-Serie sind übrigens alle Full HD 3D geeignet.“

Wer nicht eben einen Produktmanager fragen kann, wird wohl nicht einfach so darauf kommen, dass VT20 etwas mit HD und 3D zu tun hat.

Ähnlich kryptisch ist es bei fast allen Heimelektronikgeräten. Sie heißen BD-C8200S (ein Blu-ray-Festplattenrekorder von Samsung), HB965TZ (LG-Heimkinosystem) oder RDXV48DTKTF (Toshiba DVD-Rekorder).

Dieser Zeichensalat verwirrt so manchen Kunden. SPIEGEL-ONLINE-Leser Ralf Schmidt zum Beispiel: „Zahlenfolgen als Bezeichnung haben so gut wie kein Wiedererkennungspotential.“

„Was soll das bitte bedeuten?“

Das ist bei Notebooks fast genauso schlimm – immerhin sind da die Zeichenfolgen ein wenig kürzer. Acer bietet zum Beispiel einen Unterwegscomputer namens Aspire 7730G an, dem man die Unterschiede zum 7720G allerdings nicht am Namen ablesen kann. Notebook-Käufer Schmidt: „Mir persönlich sagt das gar nichts – ist die Nummer 7730G besser?“ Zur vollständigen Bezeichnung des Laptops mit allen Ausrüstungsgegenständen braucht man aber noch eine weitere Nummer, zum Beispiel Acer Aspire 7730G-584G32MN. Kommentar des verwirrten Kunden Schmidt: „Was soll das bitte bedeuten? Das hilft nicht gerade beim Vergleichen der Laptops – oft machen auch nur Kleinigkeiten den Unterschied aus, etwa eine Festplatte mit mehr oder weniger Umdrehungen pro Minute.“

Acer erklärt den Krypto-Produktnamen so: „Die Zahlen- und Buchstabenkombinationen geben Aufschluss über die konkret in dem Gerät eingesetzten Hardwarekomponenten wie Festplattenkapazität, Arbeitsspeicher, Prozessor, Laufwerk und dedizierte Grafikkarte.“

Das stimmt. Aber keiner versteht es.

 

Zündschloss versteckt sich hinterm Lenkrad

Wer häufiger Mietwagen fährt, kennt das Problem: Das Zündschloss findet und trifft man bei vielen Modellen nur mit etwas Übung, weil es gut hinter dem Lenkrad versteckt ist. SPIEGEL-ONLINE-Leser Philipp Markert nervt das: „Früher war das sicher noch kein Problem, da die Lenkräder aus ein paar dünnen Stangen bestanden. Aber in der heutigen Zeit haben die Lenkräder Airbag und Bedienknöpfe fürs Radio. Da kann man das Zündschloss nur sehen, wenn man um die Ecke schaut.“

Das Lenkradschloss sitzt bei den meisten Modellen an der Lenksäule, damit es die beim Abziehen des Schlüssels blockieren kann. „Ein mechanischer Diebstahlschutz“, erklärt ADAC-Technikexperte Arnulf Volkmar Thiemel. Aber ein solches Schloss müsse nicht zwangsläufig schlecht sichtbar sein. Thiemel: „Opel zum Beispiel platziert das mechanische Zündschloss sehr hoch, damit es besser erreichbar ist. Bei anderen Herstellern erleichtert eine Beleuchtung das Auffinden des Zündschlosses.“

Man kann das Schloss natürlich auch einfach in die Mittelkonsole einbauen. Das gibt es schon bei elektrisch verriegelten Lenksäulen. Die Technik ist teurer als die mechanische Lösung. Bei einigen so ausgestatten Autos steckt man den Schlüssel ins Armaturenbrett und drückt zum Starten, andere haben einen eigenen Startknopf zum Beispiel in der Mittelkonsole.

 

Deckenlampen-Montage

Es könnte so einfach sein: Das Kabel eines Fernsehers, einer Stehlampe, einer Waschmaschine steckt man in die Steckdose und fertig. Wer eine Lampe an der Decke befestigen will, hat erheblich mehr zu tun: Sicherung raus, Klappleiter aufstellen, Lüsterklemmen abschrauben, aufschrauben, Kabelmantel an den Drähten entfernen, Kupfer zurechtzwirbeln und in die Lüsterklemme pulen, festdrehen, Lampe aufhängen, Sicherung rein, ausprobieren.

Je nach Lampe und Decke gibt es noch ein paar Komplikationen. Manchmal sind die zwei Drähte, die aus der Decke hängen, kaum noch in die richtige Richtung zu biegen und immer muss man rätseln, wie sie eigentlich in der Decke verlaufen, da wo man für die Halterung der Lampe bohren muss. Überhaupt, die Lampenhalterung: Weil jede Lampe eine andere Halterungskonstruktion hat, sieht die Decke in älteren Wohnungen mit vielen Mieterwechseln um die Deckenkabel herum aus wie eine Schießscheibe nach dem Schützenfest.

Muss das sein? SPIEGEL-ONLINE-Leser haben einige Verbesserungsvorschläge. Christoph Hanser zum Beispiel träumt von einem „vorinstallierten Decken-Schuko-Stecker“ anstelle der „unsäglich urtümlichen Installation von Deckenlampen in unserem beginnenden 21. Jahrhundert“. So ähnlich stellt sich das auch ein Leser vor.

Normen gibt es – aber nicht für Laien

Er fragt: „Warum gelingt es nicht, hier einen standardisierten Anschluss zu schaffen?“ Zum Beispiel eine „kleine runde Dose mit Bajonettverschluss, in die die Deckenleuchte einfach nur eingedreht werden muss“.

Nun sind die Anschlüsse für Deckenlampen in Deutschland durchaus genormt – nur hat da eben niemand an leichte Bedienbarkeit gedacht. Petra Schmieder, Sprecherin beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke ZVEH erklärt das so: „Bei der Normierung geht man davon aus, dass solche Geräte nur von Fachpersonal installiert werden.“ Die Experten wüssten auch, dass sich die Farbzuordnung der Adern in den vergangenen Jahren mehrmals geändert hat. „Gerade bei Gebäuden mit alter Installation muss man da aufpassen.“

Deshalb warnt die ZVEH-Sprecherin auch Laien vor solchen Elektroarbeiten: „Die Installation von Deckenlampen ist nicht trivial, das ist nichts, was jemand erledigen sollte, der gerade zum ersten Mal in eine WG zieht.“ Eine Steckverbindung für Deckenlampen könnte die Installation vereinfachen, das gesteht der ZVEH durchaus ein. Aber dann wären „die Gestaltungsmöglichkeiten der Leuchten eingeschränkt“.

 

Roaming-Wirrwarr im Grenzgebiet

Wer im Grenzgebiet wohnt und mit dem Mobiltelefon pendelt, hat ein Problem: Bei den meisten Geräten kann man das Heimatnetz nicht ein für alle mal manuell festlegen. Die Folge ist ein allabendliches Auswahlritual, das SPIEGEL-ONLINE-Leser Björn Brezger beschreibt, der an der deutsch-schweizerischen Grenze wohnt: „Wenn man ein Mobiltelefon in der Grenzzone auf automatische Netzwahl schaltet, landet man unnötig oft im teuren Auslandsnetz und zahlt Roaming-Gebühren. Zur Abhilfe kann man die Handys immerhin ja auf manuelle Netzwahl umschalten. Verlässt man dann den Bereich mit Heimatland-Empfang, kann man über das Menü relativ schnell – vor allem beim 100. Mal – auf automatische Netzwahl gehen und das Roaming absichtlich nutzen.“

Das Problem bei der Heimkehr: „Wenn man dann den Bereich mit Heimatland-Empfang wieder erreicht, geht bei allen Handys, die ich bisher kennengelernt habe, das Prozedere mehr oder weniger wie folgt: auf manuelle Netzwahl umschalten, Menüpunkt ‚Netz wählen‘, lange warten, aus der angezeigten Liste das Heimatnetz auswählen.“

Wenn man Pech hat und während der Netzsuche in ein Funkloch gerät, fehlt das Heimatnetz auf der Liste, und man muss von vorn beginnen. Ein einfacher zusätzlicher Menüpunkt im Mobiltelefon könnte dieses lästige Netzwirrwarr entflechten: nur Heimatnetz neben der automatischen und der manuellen Netzwahl. Björn Brezger: „Man könnte das Heimatnetz immer anwählen, unabhängig von der Empfangssituation. Reine Frage der Programmierung.“

Mobilfunkexperte Michael Peuckert von der Zeitschrift „connect“ kennt den Ärger, aber keine einfache Lösung: „Mir ist kein Gerät bekannt, das dieses Problem in Grenzregionen löst.“ Peuckert zufolge wäre es „rein technisch machbar“, dass Nutzer ein bevorzugtes Heimatnetz angeben, statt jedes Mal eines aus allen verfügbaren Nezte auszusuchen.

Für Mobiltelefonnutzer im Grenzgebiet wäre das ein Segen.

 

Welche Technikmacken nerven Sie?

Versteckte Einschaltknöpfe, verschiedene Akkugrößen bei den Handys desselben Herstellers – was ärgert Sie im Alltag an Ihren Gadgets? Schicken Sie uns Ihre Anregungen mit einer kurzen Begründung. Am besten per E-Mail: Klicken Sie hier. Oder teilen Sie Ihre Erfahrungen mit auf der Facebook-Seite „Fehlfunktionen“.

Mehr Alltagsärger mit Fehlfunktionen, technische Hintergründe und absurde Entschuldigungen der Hersteller stehen im SPIEGEL-ONLINE-Buch „Fehlfunktion – Warum Frischhaltefolie nie gerade abreißt und andere Alltagsärgernisse“ (Goldmann, 8,95 Euro). Eine kostenlose Leseprobe bietet der Goldmann Verlag an.

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