Kostenlose Zwischendurch-Spiele: Bitte sprengen Sie sich durch (Spiegel Online, 16.12.2010)

Kostenlose Zwischendurch-Spiele:

Bitte sprengen Sie sich durch

Aufgepumpte Schlösser und Weltraumwerwölfe: Unabhängige Entwickler erfinden für ihre Browser- und Handy-Spiele originelle Gegner. Und manchmal sitzt der größte Gegenspieler im Büro nebenan. Vier Empfehlungen fürs kreative Spielen zwischendurch.

Spiegel Online, 16.12.2010

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Das Spielfeld von „Haxball“ sieht nach Fußball aus, das Spiel an sich hat aber mehr mit Air Hockey gemeinsam: Zwei oder mehr Spieler melden sich über den Webbrowser bei einem Spielfeld an, um dann in Teams den Puck mit ihren Schlägern ins Tor des Gegners zu schubsen (mit den Pfeil-Tasten) und zu schießen (mit x). Obwohl das Spiel derzeit in der Beta-Phase läuft, funktioniert es gut genug, um viel Vergnügen zu bereiten.

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Ab und an muss man beim Anmelden etwas länger auf eine Reaktion des Servers warten, dafür ist der Rest des Verfahrens denkbar simpel: Man muss sich als Spieler nicht einmal einen festen Spielernamen aussuchen, sondern nur ein Spielfeld suchen (oder ein neues anlegen, wenn man Mitspieler erwartet) und anfangen.

Ein Detail der Bedienung erschließt sich nicht auf Anhieb: Bevor eine Partie startet, muss man mit einem Klick auf die Spielerfarben oben links ein Team auswählen. Wenn neue Spieler dazu kommen, kann man eine Partie auch abbrechen („Stop the match“), die Mannschaften neu zusammenwürfeln und wieder starten. Da der Chat immer funktioniert, kann man bei laufenden Partien auch einfach höflich nachfragen, wann es denn wieder von vorne losgeht.

Am besten läuft eine „Haxball“-Partie, wenn die Spieler nicht allzu weit (also zum Beispiel in Australien, Deutschland und Polen) voneinander entfernt sind – bei solchen Distanzen sind die Verzögerungen dann doch spürbar.

Will man einen Haufen Spieler auf einen Schlag zusammenhaben, die nicht allzu weit entfernt sitzen, ist eine Mittagspausen-Partie im Büro ideal – „Haxball“ macht am Stück fünf oder auch fünfzehn Minuten lang Spaß. Man kann für Partien feste Zeiten oder Punktstände als Ziel vorgeben, Spielfelder mit einem Passwort schützen – „Haxball“ könnte ein perfektes Gruppen-Spiel für Zwischendurch werden. Im Moment ist es schon ziemlich gut.

„Haxball“, kostenlose Browserversion

„Mind Wall“ – Geometrie-Gefummel

Die Grafik? Nun ja, ein paar bunte Flächen und etwas 3-D-Animation, wie man sie vor 20 Jahren bemerkte. Mehrspieler-Modus? Erweiterungen? Ach was. Solchen Schnickschnack braucht es gar nicht, wenn das Konzept genial simpel ist. Wie sehr ein sparsam gestaltetes Spiel fesseln kann, demonstriert „Mind Wall“.

Die Mechanik dieses Klassikers (für PC und Mac schon 2009 veröffentlicht) lässt sich mit zwei Sätzen beschreiben: Der Spieler muss immer neue geometrische Figuren durch die Öffnungen in immer neuen Flächen manövrieren. Er hat nur ein Mittel: Irgendwo in die Wand kann man eine kleine Öffnung sprengen. Die sollte die bestehende Lücken so verbinden, dass der Spielstein durchpasst.

Das wird schwieriger als es klingt, weil man in wenigen Sekunden recht verwinkelte Flächen überblicken und herausfinden muss, an welcher Stelle eine Sprengung genug Platz für – natürlich in jeder Stufe neue – Spielsteine schafft. Die Mischung aus immer neuen Herausforderungen mit kurzen Stressphasen anschließender Entspannung (man sieht in einer kleinen 3-D-Animation, wie der Spielstein durch die geschaffene Öffnung fliegt) schafft einen sehr angenehmen Spielrhythmus. Die Grafik wirkt beliebig, die unheimliche Musik hingegen passt perfekt.

Die iPhone- und Android-Versionen des Spiels haben der seit 2009 kostenlosen Download-Variante für Rechner einen zusätzlichen Profi-Modus voraus. Außerdem kann man sich – Höchstleistungen vorausgesetzt – in einer Bestenliste aller „Mind Wall“-Spieler verewigen. Aber selbst ohne diese Extras wäre dieses kleine, raffinierte Denkspiel einen Euro oder mehr wert.

Seth Robinson: „Mind CubeWall“, kostenloser Download für OSX/Windows (98, 2000, XP, Vista ), iPhone 0,79 Euro, Android 1,19 US-Dollar

„Space Wolves“ – Schneeballschlacht mit Werwölfen

Gut, es sollen wohl nicht Schnee- sondern Silberbälle sein, mit denen man in „Space Wolves“ nach den Weltraum-Werwölfe wirft. Aber die Schneeball-Vorstellung passt besser zur Jahreszeit und dieser liebevoll in Pastelltönen gezeichneten Spielwelt mit der putzigen Dixieland-Musik (gespielt von Werwölfen).

„Space Wolves“ ist ein merkwürdig-niedliches Physikspiel. Ähnlich wie beim Bestseller „Angry Birds“ geht es darum, mit einem gezielten Schuss (bei „Space Wolves“ mit Bällen statt Vögeln) mehrere Ziele (Werwölfe statt Schweinen) zu treffen. Bei „Space Wolves“ ist die Herausforderung allerdings, weit voneinander entfernte, durch Mauern und Vorsprünge getrennte Ziele zu treffen – man muss also überlegen, welchen Flugbahn das eigene Wurfgeschoss nehmen, wo es abprallen und wie es weiterrollen wird.

Angenehm dabei ist, dass man nicht auf einen bestimmten Lösungsweg festgelegt ist. Man hat drei Wurfgeschosse. Ob man alle nutzt oder einen Weg findet, mit nur einem auszukommen, ist dem Spieler überlassen – für die sparsamste Lösung gibt es allerdings die höchste Punktzahl, weiterspielen kann man in jedem Fall. Ein niedliches Spielchen für die U-Bahn.

Griffilms: „Space Wolves“, iPhone: 0,79 Euro

„Lame Castle“ – Ritter schlägt Schloss

Attacke! In „Lame Castle“ galoppiert ein Ritter mit Steckenpferd und angelegter Lanze unaufhaltsam nach rechts, bis er das lahme Schloss erreicht, ein aufgeblasenes Pummelschlösschen, aus dem nach einem Speerstich die Luft entweicht. Die Herausforderung für die Spieler ist der Weg bis dorthin: Der Ritter wird immer schneller, man muss im richtigen Moment über Gräben springen, Raketen zerstören und sich mit Hühnern herumschlagen.

Schneller Spielfluss, absurde Welt und keine allzu frustrierenden Hindernisse – in „Lame Castle“ findet man enormes Vergnügen daran, Luftschlösser platzen zu lassen.

Bradley Johnson: Lame Castle, kostenlose Browserversion , iPhone/ Android: 0,79 Euro

 

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