Browserspiele für zwischendurch: Fliehen Sie aus dem Klötzchen-Knast! (Spiegel Online, 18.9.2011)

Browserspiele für zwischendurch

Fliehen Sie aus dem Klötzchen-Knast!

Kleine Meisterwerke, kostenlos für alle: Ein Hamster kämpft mit dem Laser gegen Tetris-Steinchen, ein Frosch flieht vor dem Wasser – und dann ist da noch dieser Höhlenmensch mit seinem hammerhartem Schädel. Mitreißende Spiele für viel Spaß in wenig Zeit.

Spiegel Online, 17.9.2011

{jumi [*3]}

Herabfallende Tetris-Klötzchen bedrohen die hamsterartige Figur in Superhelden-Kluft. Mr. Serious – so heißt das Hamsterwesen – muss sich mit seiner großen Laser-Pistole gegen die Klötzchen verteidigen. Das ist schon mal ein herrlich absurder Ansatz für ein Browser-Spiel. Und „Super Puzzle Platformer“ kombiniert alle Spielelemente zu einer sehr unterhaltsamen Mischung: Das Ziel ist es, als Mr. Serious so lange wie möglich in dem Klötzchen-Gewitter zu überleben und möglichst viele Punkte zu sammeln. Kein Entkommen. Kein abschließender Sieg.

Punkte sammelt Mr. Serious, indem er mit seiner Strahlenwaffe möglichst große zusammenhängende Flächen herabgefallener Steine einer Farbe zu Staub schießt. Das ist nicht einfach, weil Mr. Serious sich gleichzeitig vor den Steinen in Acht nehmen muss – kriegt er zu viele auf den Kopf, ist es vorbei. Außerdem darf er sich nie den Boden unter den Pfoten wegschießen, weil das Spielfeld unten von tödlichen Speerspitzen eingegrenzt ist.

Die Spielmechanik ist so einfach, dass jeder in wenigen Augenblicken versteht, was zu tun ist. Andererseits machen viele Details das Spiel komplexer als es zunächst scheint: Mr. Serious kann Punkte sammeln, die ihn widerstandsfähiger gegen die Klötzchen machen. Außerdem kommen als zusätzliche Bedrohung noch Stachelsteinchen hinzu.

Das Spiel nimmt schnell Fahrt auf, die Bedrohungen prasseln immer schneller auf den Hamster ein und nach ein paar Minuten ist es meist vorbei. Aber es fällt sehr, sehr schwer, nicht gleich den nächsten Versuch zu wagen.

Andrew Morrish Vancouver : „Super Puzzle Platformer“, kostenlose Browser-Version (Flash), auch als Download-Version für Mac und Windows

„Hollow“ – allein in der Dunkelheit

In einem Loch im Boden lebt der Held dieses Jump ’n‘ Runs: Die Spielwelt von „Hollow“ ist sehr düster, tief unter der Erde leben merkwürdige Geisterwesen in Höhlen. Da gibt es olivfarbene Würmer, die halb aufgerichtet patrouillieren und riesige quallenartige Flugwesen. All diese Kreaturen haben eines gemeinsam: Sie wollen den kleinen, leuchtenden Helden fressen.

Der Spieler hat zwei Möglichkeiten, sich gegen die Unterweltbewohner zu verteidigen: Er springt über sie hinweg. Oder er schießt ihnen mit dem Kopf voran in einer horizontalen Flugbahn entgegen.

So kämpft man sich durch das Labyrinth und sucht wie in jedem Jump ’n‘ Run den Ausgang. Grafik und Musik von „Hollow“ schaffen eine gespenstische Atmosphäre, besonders gut gelungen ist die Beleuchtung: Wie bei einer Fackel nimmt die Helligkeit langsam ab, je weiter etwas vom Helden entfernt ist. In diesem nur schemenhaft zu erkennenden Umfeld tauchen plötzlich Kreaturen auf, die das Leben unter Tage gefährlich machen.

Connor Ullman: „Hollow“, kostenlose Browser-Version (Flash)

„Rainbow Jail“ – gefangen im Klötzchen-Knast

Dieses Knobelspiel hat der französische Designer Benjamin Soule binnen 48 Stunden beim Entwicklerwettbewerb Ludum Dare geschaffen. Dem Zeitdruck ist vielleicht der recht hohe Schwierigkeitsgrad zu verdanken – viel Zeit fürs Ausbalancieren ist Soule nicht geblieben.

Trotz dieses Mankos ist „Rainbow Jail“ spielenswert, allein schon wegen der Idee: Die Spielfigur ist in einem Knastlabyrinth aus bunten Klötzchen gefangen. Die kann man leicht zerstören, indem man lange genug dagegenläuft. Allerdings werden dann alle Klötzchen dieser Farbe im Umfeld der Spielfigur zerstört und das kann unangenehme Folgen haben. Denn zwischen den Steinchen sind auch die Wächter des Regenbogenknasts eingesperrt. Befreit man einen von ihnen versehentlich, ist das Spiel vorbei. Der Spieler kann zudem einzelne Klötzchen in den Räumen verschieben, um neue Trennmauern zu den Wächtern einzuziehen. Oder er lenkt die Wächter mit Hilfe anderer Gefangener ab.

Ziel des Spiels ist es, 16 zwischen den Klötzchen eingeschlossene Diamanten zu sammeln oder einen Ausgang aus dem Knast zu finden. Einigen Spielern ist das gelungen – sie berichten das zumindest in den Kommentaren bei Ludum Dare. Der Schöpfer selbst war sich nach dem Programmiermarathon gar nicht so sicher, ob das machbar ist, er bat um Kommentare erfolgreicher Spieler: „Ich will wissen, ob ‚Rainbow Jail‘ zu gewinnen ist. Ich hoffe das, denn ich habe so viel Zeit für die Abschlusssequenz verwendet!“

Benjamin Soule : „Rainbow Jail“, kostenlose Browser-Version (Flash)

„Flee Buster“ – Drei Spiele in einem!

Der kanadische Spiele-Designer Chevy Ray Johnston hat mit „Flee Buster“ beim Ludum-Dare-Wettbewerb abgeräumt: Sein Action-Spiel schnitt in der Gesamtwertung am besten ab. Johnston kombiniert drei Minispiele in einem: Man wird alle paar Sekunden von einem der Spiele zum nächsten geschaltet, es geht immer an der Stelle weiter, an der man den Spielhelden zuletzt verlassen hat. Alle drei sind auf der Flucht: Ein Mensch rennt vor einem Ufo davon, ein Raumschiff wird von riesigen Fressbestien gejagt und ein Frosch flieht vor dem steigenden Wasser.

Die Spiele sind schnell und schwierig – je weiter man kommt, desto mehr Punkte sammelt man. Die Grafik ist extrem reduziert, die Hintergründe schimmern in mehreren Farben, der Raum ist immer schwarz. „Flee Buster“ setzt den Spieler unter Stress – schönen Stress.

Chevy Ray Johnston: „Flee Buster“, kostenlose Flash-Version