Kostenlose Browserspiele: Händchenhalten mit der Königin (Spiegel Online, 19.1.2012)

Kostenlose Browserspiele

Händchenhalten mit der Königin

Allein im All, verloren in einem einstürzenden Labyrinth, durch einen Abgrund von der großen Liebe getrennt: Beim Wettbewerb „Ludum Dare“ haben Entwickler fast 900 Spiele zum Thema Einsamkeit geschaffen – wir empfehlen drei der besten Titel, die kostenlos im Netz spielbar sind.

Spiegel Online, 19.1.2012

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Warum nicht mal ein Browserspiel über einen Helden antiker Mythen? „Midas“ macht eine der Legenden über König Midas zum Spielprinzip: Die Spielfigur verwandelt alles, was sie berührt, in Gold. Der gerade mal 18 Jahre alte australische Entwickler Harry Lee hat aus dieser Idee beim Entwicklerwettbewerb „Ludum Dare“ zum Thema Einsamkeit binnen 72 Stunden ein verblüffendes Denkspiel entwickelt. Das Spielprinzip von „Midas“ versteht man sofort, aber über einigen der Rätsel brütet man dann doch sehr lange.

Die Grafik ist minimalistisch: Midas‘ Reich besteht aus vielen schwarzen Quadraten, über die der König läuft. Sobald er längere Zeit eines dieser Rechtecke berührt, verwandelt es sich zu Gold und fällt herab. Es sei denn, unter dem Goldklumpen liegt ein weiterer schwarzer Stein, dann bleibt alles stabil. Oft verliert Midas buchstäblich den Boden unter den Füßen und stürzt ins Nichts. Zum Glück kann er springen, was aber neue Probleme mit sich bringt: Springt er hoch und berührt einen der schwarzen Steine an der Decke, fällt auch dieser herab. Weicht Midas nicht schnell genug aus, wird er erschlagen.

Das Ziel ist es, in jedem Spielabschnitt Midas zur Königin zu bringen und ihre Hand zu ergreifen. Händchenhalten kann Midas nur, nachdem er zuvor einen irgendwo auf dem Spielfeld platzierten blauen Stein berührt hat – das ist die vereinfachte Spielversion des Flusses Paktolos, in dem König Midas baden sollte, um seine Gold-Gabe zu verlieren.

Aus diesen Elementen konstruiert Harry Lee immer schwieriger zu lösende Rätsel: Einerseits muss man gut planen, wann man wohin springt, wie man aus herabstürzenden Steinen Treppen baut und auf welchem Weg man zur Königin kommt, nachdem die Gabe verschwunden ist. „Midas“ ist bisweilen auch ein Geschicklichkeitsspiel, weil man schnell vor herabfallenden Steinen wegspringen muss. Die Steuerung ist da nicht immer präzise genug, zum Glück empfindet man das beim Spielen jedoch nur selten als frustrierend.

Das Konzept ist genial, die Umsetzung gut. In der weiterentwickelten „Midas“-Version, die Lee nun beim Browserspielportal Kongregate veröffentlicht hat, kann man (nach Anmeldung) den Spielstand speichern, um nicht jede Partie wieder von vorn beginnen zu müssen. Speichern empfiehlt sich, wenn man „Midas“ im Büro in der Mittagspause spielt. Denn da wird man „Midas“ wohl kaum in einem Durchgang schaffen – dafür sind die Rätsel zu schwierig.

Harry Lee, Jarrel Seah: „Midas, Browserspiel (Flash), kostenlos

„Together Alone“ – ob ihr wirklich richtig steht?

Das Spielfeld von „Together Alone“ erinnert an die letzte Prüfung im Abenteuerfilm „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“: Der Archäologe mit der Peitsche muss einen Weg über Dutzende Fliesen im Boden finden, von denen die meisten einbrechen, sobald man sie betritt.Im Denkspiel „Together Alone“ brechen fast alle Kacheln auf dem Boden weg, sobald man sie verlässt. Das Ziel der beiden Helden Peter und Alice ist es, in jedem Level nicht nur einen sicheren Weg zum Ziel zu finden, sondern unterwegs auch alle Fliesen zu zerstören.

Das ist erheblich komplizierter als es klingt: Einige der Kacheln kann man mehrmals betreten. Andere Kacheln – je nach Farbe – bringen nur eine der Figuren zum Verschwinden. In einigen Spielabschnitten bewegt man beide Figuren parallel, man muss koordinieren, wer von beiden welche Fliese als erster verlässt, wo beide wann zugleich stehen und wie sie wieder wegkommen.Mit nur ein, zwei Sätzen zwischen jedem Spielabschnitt wird zudem eine Liebesgeschichte erzählt: vorsichtige Annäherung, die großen gemeinsamen Erlebnisse, Fehler, Trennung und Zusammenfinden – man spielt die Geschichte von Peter und Alice.

Da „Together Alone“ auf HTML5 basiert, lässt es sich auch ohne Flash im Webbrowser von Tablets wie dem iPad spielen. Allerdings ist die Bedienung per Touchscreen derzeit nicht besonders komfortabel. Das soll sich aber verbessern, die niederländischen Autoren Gijs Rosengarten und Jan Niestadt entwickeln das Spiel derzeit weiter. Sie versprechen auch eine Möglichkeit, einzelne Spielzüge rückgängig zu machen und natürlich neue Spielabschnitte. Doch trotz möglicher Verbesserungen im Detail ist „Together Alone“ schon jetzt, ungeschliffen wie es ist, ein Schmuckstück.

Gijs Rosengarten, Jan Niestadt: „Together Alone„, Browserspiel (HTML5), kostenlos

„Abandoned“ – allein im All

Der kanadische Spielentwickler Noel Berry hat „Abandoned“ in der verschärften Form des „Ludum Dare“-Wettbewerbs entwickelt: Bei der „Competition“ muss ein Entwickler völlig allein arbeiten, er hat nur 48 Stunden Zeit, um sein Spiel zu schreiben. Dass „Abandoned“ unter diesen Einschränkungen entstanden ist, merkt man nur an der Spieldauer: Es ist viel zu schnell vorbei.Aus jedem der verwinkelten Räume in „Abandoned“ gibt es einen Weg, den man mit logischem Denken und räumlichem Vorstellungsvermögen herleiten kann. Unter Zeitdruck ist man dabei nicht, bei „Abandoned“ geht es nicht um Action, sondern ums Grübeln. Es ist erstaunlich, wie sehr einem der so grob skizzierte Held von „Abandoned“ ans Herz wächst – man kann das Spiel nicht einfach so aufgeben und ihn zurücklassen, schließlich ist man der einzige Freund dieses verlorenen Helden im All.

Noel Berry: „Abandoned„, Browsergame (Flash), kostenlos