Glühende Landschaften

Abgründe, Lavaseen, Bambusspieße: Im Denkspiel „Gets to the Exit“ muss man eine Horde Höhlenmenschen unbeschadet durch lebensgefährliche Landschaften führen. Gefahren wendet man ab, indem man die Landschaft umbaut. „Gets to the Exit“ ist ein würdiger „Lemmings“-Nachfolger.

Spiegel Online, 2.9.2012

Ja, ja, diese Spielmechanik kennt man doch: Man muss eine Gruppe niedlicher, aber stupide geradeaus (auch ins Verderben) laufender Wesen durch Labyrinthe voller Gefahren steuern. Nach dem Prinzip hat doch schon das legendäre „Lemmings“ Anfang der neunziger Jahre funktioniert. „Gets to the Exit“ (verfügbar für Android und iOS) sieht „Lemmings“ auf den ersten Blick recht ähnlich.

Man blickt von der Seite auf eine zerklüftete Spiellandschaft voller Abgründe und Lavaseen, durch die ein Grüppchen von Höhlenmenschen irrt (sie heißen übrigens Gets, daher der merkwürdige Name des Spiels). Man muss möglichst viele Gets (mindestens drei Viertel) unbeschadet zum Ausgang bringen, um einen von 55 Spielabschnitten zu absolvieren. Die britischen Entwickler von „Gets to the Exit“ haben dabei die „Lemmings“-Mechanik umgedreht: Man steuert nicht die Wandernden, sondern verändert die Landschaft.

Spielprinzip: Jeder Spielabschnitt in „Gets to the Exit“ ist in mehrere vertikale Streifen unterteilt. Einige davon kann man nach oben und nach unten verschieben und so den Gets einen Weg durch die Landschaft bahnen. Die Höhlenmenschen laufen stur geradeaus, bis sie an eine Wand stoßen. Die Gets rennen auch gegen glühende Lavawände, sie springen in Bambusspieße auf tieferliegenden Plattformen oder in Abgründe. Verhindern lässt sich so etwas durch eine geschickte Anordnung der verschiebbaren Landschaftsabschnitte: Man kann die Gets auf einem Landschaftsstreifen schnell in die Höhe schieben, dann springen sie aus der Luft über die Bambusspieße hinweg in Richtung Ausgang.

Ablauf: Es gibt viele Elemente zum Landschaftsbau, Aufzüge, unterirdische Gänge, Sprungbrett-Böden, von denen die Gets abprallen und in hohem Bogen weiterfliegen. Aus diesen Elementen muss man eine sichere Route zum Ausgang zusammenpuzzeln. Manchmal muss man dabei sehr schnell sein, immer wieder mehrere Landschaftsabschnitte im Sekundentakt in der richtigen Reihenfolge rauf und runter auf die richtige Höhe ziehen, um einem Get nach dem anderen einen sicheren Fluchtweg zu bauen. Da hängt der Erfolg von Geschicklichkeit und schneller Reaktion ab, in anderen Spielabschnitten muss man grübeln.

Fazit: „Gets to the Exit“ ist kein perfekt ausbalanciertes Spiel, die Schwierigkeit der einzelnen Spielabschnitte variiert stark. Auch Grafik und Klang hätten noch etwas Feinschliff vertragen können. „Gets to the Exit“ ist nicht hässlich, aber auch nicht so schön wie etwa „Tiny Wings HD“. Dennoch ist „Gets to the Exit“ ein unterhaltsames, gutes Spiel mit einer interessanten Idee.