So geht user generated Leidenschaft

Wikia und Lokalkompass.de sind für mich zwei sehr spannende Medienprojekte im Netz. Beide machen auf den ersten Blick total unterschiedliche Dinge: Wikia lässt Menschen über Fernsehserien, Spiele, Animes und ähnliches enzyklopädisch schreiben, Lokalkompass.de über alles im eigenen Viertel.

Was die beiden gemeinsam haben und ziemlich gut machen: Sie nutzen und steigern die Leidenschaft ihrer Freiwilligen für, sie machen aus Offline-Communities Onlinemedien, sie schaffen das Gefühl, was bei einigen Medienmarken derzeit unter dem Begriff „Club-Modell“ herumgeistert.

Bei Lokalkompass.de treffen sich die Autoren offline vor Ort zu Stammtischen, Fotosafaris und anderen Offline-Events. Und die Traffic-Zahlen von Similarweb deuten an, dass dieses Gemeinschaftsgefühl bei Lokalkompass.de auch die Leser packt. Ein Fünftel des Traffics der Seite kommt von Facebook. Das ist weit mehr als bei den großen deutschen Onlinemedien Spon, Bild, Zeit, SZ und so weiter.

Lokalkompass.de Traffic Statistics by SimilarWeb

Bei Wikia sehe ich in den Trafficzahlen nicht, dass sich die Leidenschaft für ein Thema und das Gemeinschaftsgefühlt auch Leser auf die Seite lockt. 68 Prozent der Leser kommen über Suchmaschinen auf die Seite. Stimmt schon, weil sie sich für diese großartigen Nischenthemen interessieren, gewissermaßen für ihr Viertel der Popkultur. Aber wenn sie sich in diesem Viertel bei Wikia wohlfühlen, müsste der Social-Traffic eigentlich höher sein.

Wikia.com Traffic Statistics by SimilarWeb

Die Lehre daraus: Bei spitzen Nischenthemen ist die Leidenschaft der Menschen so hoch, dass sie schreiben und dass Gemeinschaften um die Themen herum entstehen. Ohne user-generated-content wäre die Qualität und Fülle der Inhalte bei Wikia und Lokalkompass nicht groß genug, um diesen Sog zu schaffen. Wer in den Vierteln vor Ort oder in der Popkultur online wachsen will, muss die Menschen zum schreiben kriegen. Ach ja: Ein nutzerfreundliches CMS und slicke Technik hilft dabei. Ist leider nicht unbedingt die Stärke klassischer Medienangebote.