China verschärft die Pressezensur, bei Weibo kann man noch darüber lesen

Laut dem China Media Project kippen die Zensoren eine Woche nach dem Zugunglück von Wenzhou, bei dem 40 Menschen starben und etwa 190 verletzt wurden, allzu kritische Berichte reihenweise aus den Blättern. Aus der Samstagsausgabe der Chinese Business View sind laut CMP Freitagnacht drei Seiten komplett gestrichen worden – darunter ein Leitartikel mit dem Fazit, dass die Partei das Vertrauen der Öffentlichkeit nur gewinnen kann, wenn die Wahrheit über das Unglück öffentlich wird.

Unter den herausgefallenen Texten ist auch ein Stück über die harsche Kritik der Nutzer von Onlinediensten wie Weibo an der Reaktion der Behörden. Schlagzeile des zensierten Stücks: “Es ist unser Recht, Fragen zu stellen”.

Auf Weibo selbst ist von Zensur weiter nicht viel zu merken. Das Schlagwort Bahnministerium ist auch am Samstag noch auf Platz 1 der meist diskutierten Themen, die über das Schlagwort zugängliche Themensuche ist weiter zugänglich – zumindest von meinem Rechner in Hamburg aus. Aber Anfang Juli war das bei den Gerüchten über den angeblichen Tod Jiang Zemins anders, die Suchanfrage war komplett blockiert.

Warum wird Weibo derzeit nicht so hart zensiert wie die Presse? Vielleicht, weil das die Wut steigern würde. Und: Gerade mal 140 Millionen Chinesen nutzen Weibo, die meisten von ihnen gehören zur wachsenden, gebildeten und propagandaskeptischen Mittelschicht. Da ist harte Zensur vielleicht kontraproduktiv, womöglich geht es darum, das Thema erstmal aus der breiten Öffentlichkeit herauszukriegen. Die Mittelschicht kann ja online schimpfen, solange die anderen nichts davon mitkriegen.

Hier eine auf Weibo kursierende Übersicht der Zeitungstitelseiten zu 7.23 aus der vergangenen Woche, als die Pressezensur sich zurück hielt: