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Anfrage bei US-Bundespolizei: Deutsche Ermittler wollten FBI-Trojaner (Spiegel Online, 14.10.2011)

Konrad Lischka
Konrad Lischka
2 minuten gelesen

Anfrage bei US-Bundespolizei

Deutsche Ermittler wollten FBI-Trojaner

Das FBI nutzt seit Jahren Staatstrojaner zur Überwachung Verdächtiger – und deutsche Ermittler wollten offenbar von den US-Spezialisten lernen. Ein Verbindungsmann der Amerikaner klagte 2007 in einer Mail, er habe “schon wieder” eine Anfrage der deutschen Kollegen.

SPIEGEL ONLINE, 14.10.2011

{jumi [*3]}

“Peinlich” sei ihm das, schrieb der FBI-Verbindungsbeamte an seine Kollegen in den USA. Er saß in Frankfurt am Main und entschuldigte sich dafür, dass er schon wieder mit einer “Anfrage von den Deutschen” nerven müsse. Die Germans würden sich für die Überwachungssoftware CIPAV interessieren, danach hätten sie explizit gefragt.

Der Verbindungsbeamte schrieb das am 24. Juli 2007 – die E-Mail ist inzwischen bei “Wired” öffentlich zugänglich. Das Datum ist interessant: Am 20. Juli 2007 hatten mehrere Medien über einen Prozess im US-Bundesstaat Washington berichtet, bei dem am Rande bekannt wurde, dass das FBI eine Spionage-Software namens CIPAV nutzt, die aus der Ferne auf den Rechnern von Überwachten installiert werden kann. “Die US-Bundespolizei FBI nutzt bereits die Staatstrojaner, von denen Innenminister Schäuble träumt”, fasste SPIEGEL ONLINE damals die Details aus den von “Wired” und “Cnet” veröffentlichten Gerichtsdokumenten zusammen.

Hilfsangebote der FBI-Trojanerexperten

Vier Tage später – dazwischen lag ein Wochenende – hat offenbar ein Kontakt des Frankfurter FBI-Manns nach diesem Trojaner gefragt. Der FBI-Verbindungsbeamte äußert sich in seiner Mail an die US-Kollegen erstaunt über das plötzliche Interesse der Deutschen. Der FBI-Auslandsmann schreibt dem Leiter der Abteilung für Data Intercept Technology und erklärt, warum ihm die erneute Anfrage unangenehm sei: “Nach Ihrer vorangegangenen Hilfe, und nachdem noch niemand unserer deutschen Kollegen auf Ihre Unterstützungsangebote reagiert hat.”

Aus diesen Zeilen wird klar: Deutsche Ermittler haben sich mit dem FBI über Überwachungstechnologie ausgetauscht. Und so wie das Schreiben des Verbindungsmanns in Frankfurt klingt, haben die deutschen Kollegen mehr zugehört als beigetragen. Was aber meint der FBI-Kontaktmann mit “Unterstützungsangeboten”?

Das BKA schweigt

Das Bundeskriminalamt hat auf eine Anfrage zur Zusammenarbeit mit dem FBI in Sachen Überwachungssoftware bis zur Veröffentlichung nicht geantwortet.

Aus Berliner Sicherheitskreisen verlautet, dass das BKA für die Online-Durchsuchung selbst – also die mit wesentlich höheren rechtlichen Hürden versehene Komplettausforschung eines Rechners – eine eigene Software-Lösung programmiert hat. Vielleicht mit Hilfe der US-Kollegen? Für die sogenannte Quellen-TKÜ, also das Abhören von Kommunikation per Software auf dem Computer der Überwachten – soll das BKA Software des Unternehmens DigiTask genutzt haben.

Das BKA ist durch einen Abschnitt im Bundeskriminalamtgesetz ermächtigt, Computer in bestimmten Fällen nicht nur zu belauschen, sondern auch komplett zu durchsuchen. Eine Anfrage, wie oft dies bisher geschehen ist, hat das BKA bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht beantwortet.

Die “Kollegen von nebenan” sollen helfen

Der Staatstrojaner CIPAV konnte offenbar, das geht aus dem Prozess 2007 hervor, über präparierte Websites auf Rechner geschleust werden (Drive-by-Infektion). Die FBI-Spezialisten nutzen Sicherheitslücken im Web-Browser der Zielperson aus, um unbemerkt Zugriff auf den Rechner zu erlangen. Der von den Beamten Überwachte wurde mit einem Link in einer Nachricht auf diese Seite gelockt.

In dem damals bekannt gewordenen Fall protokollierte der FBI-Staatstrojaner die Online-Aktivitäten des Überwachten. Die Beamten wollten ermitteln, ob er Droh-E-Mails an seine Schule schickte. Das Schnüffelprogramm übertrug den Ermittlern aber nicht die Inhalte der Kommunikation. Das FBI dürfte mit Sicherheit auch über Staatstrojaner zur Überwachung von Tastatureingaben und zur Online-Durchsuchung verfügen.

Was aus der Anfrage der “deutschen Kollegen” beim FBI-Verbindungsmann wurde, ist unklar. Fest steht, dass sein Partner in den USA ihm nach zwei Stunden auf die E-Mail antwortete: “Um CIPAV kümmert sich die Abteilung bei uns nebenan.” Er setzte die Kollegen gleich in Kopie.


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