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Flick-Werk (Süddeutsche Zeitung, 9.3.2001)

Konrad Lischka
Konrad Lischka
3 minuten gelesen

Flick-Werk

In Zürich wird gegen das Museum des Millionen-Erben protestiert

Süddeutsche Zeitung, 9.3.2001

In der Schweiz beginnt eine öffentliche Diskussion um das in Zürich geplante private Museum des Flick-Erben Friedrich Christian. Über die bisher nicht erfolgte Entschädigung der Zwangsarbeiter durch die Flick-Dynastie und die mögliche Herkunft der Mittel für den Museumsbau berichtete gestern die Zeitung Tagesanzeiger.

Die Wochenzeitung hatte zuvor über die Vergangenheit der Familie Flick und die Verurteilung Friedrich Flicks bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen berichtet. Ein ähnlicher Artikel hatte vor fünf Jahren in Großbritannien dazu geführt, dass Gert-Rudolf Flick eine Spende für die Universität von Oxford zurückziehen musste.

Auch in Zürich regt sich nun erster Protest. Der Stadtpräsident Josef Estermann von der regierenden Sozialdemokratischen Partei verlangt von der Flick-Familie „einen angemessenen Beitrag zur Entschädigung der Zwangsarbeiter des Dritten Reiches.“ Er will sich aber nicht offiziell in seiner Position als Vertreter der Stadt äußern. Ob die Sammlung Flicks politisch erwünscht sei, müsse noch erörtert werden. Die zweitstärkste Fraktion im Gemeinderat, die Freisinnig Demokratische Partei, verlangt eine politische Diskussion.

Der Kulturbeauftragte Bert Badertscher sagt: „Wir wollen dieses Museum. Darüber aber darf der Hintergrund nicht vergessen werden. Hier gibt es einen Interessengegensatz, der von der Politik nun gelöst werden muss.“ Auch in dem Stadtviertel, wo der Museumsbau geplant ist, regt sich erster Widerstand. Jean-Daniel Blanc, Vorsitzender der „Initiativgruppe Hardturmquartier“ der Anwohner: „So lange Flick sich nicht mit der Vergangenheit auseinandersetzt, ist das Museum hier unerwünscht. Wir überlegen zur Zeit, wie wir dagegen aktiv werden.“

Unbestritten ist der künstlerische Wert der Sammlung Friedrich-Christian Flicks. Sie umfasst 2000 Werke, unter anderem von Bruce Naumann, Francis Picabia, Sigmar Polke, Richard Serra und den amerikanischen Minimalisten. Laut Experten ist sie mit der Brandhorst-Sammlung zu vergleichen. Alle Werke sollen in dem für 2004 geplanten Museum in wechselnden Ausstellungen gezeigt werden.

Von einer für Zürich wünschenswerten Sammlung hoher Qualität spricht Werner Rom, Präsident der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich. Allerdings müsse das Museum in „einem ethisch sauberen Raum“ stehen. Seine Forderung: „Wenn Flick das Geld für dieses Museum hat, warum richtet er nicht auch eine Stiftung ein, welche die Wirtschaftsgeschichte auch der Flicks während der NS-Zeit erforscht, damit bekannt wird, woher ein Teil des Vermögens stammt?“

Rom begrüßt eine öffentliche Diskussion über den Museumsbau: „Bisher fehlte und fehlt in der Schweiz dieses geschichtliche Bewusstsein.“-Redakteur Simon Maurer bestätigt die Einschätzung: „In der Politik und auch in der Kunstszene waren diese Museumspläne lange bekannt. Aber niemand hat etwas gesagt. Bei der großen Sammlung des Rüstungsfabrikanten Bührle in der Kunsthalle war das ähnlich. Leider bestätigt sich hier das Klischee der schweigenden Schweiz.“ Kritik kommt nun auch, und das in einem ziemlich massiven Maß, aus der Kunstszene Zürichs. Stefanie Carp vom Direktorium des Schauspielhauses fordert, dass die feinsinnigen Kunstsammler sich zunächst um etwas anderes zu kümmern haben: „Die Stadt sollte klarstellen: Ohne Entschädigung der Zwangsarbeiter kein Museum.“ Es ist zweifelhaft, dass die Stadt über Druckmittel verfügt, den Museumsbau zu verhindern, da er rein privat finanziert wird. Carp verlangt jedoch in jedem Fall eine klare Aussage der Verwaltung. Tagesanzeiger

Bei aller berechtigter Kritik warnt Rolf Bloch, Präsident des Schweizer Holocaust-Fonds vor übertriebenen Reaktionen: „Es darf keine Sippenhaft geben. Wenn Friedrich Christian Flick sich mit Worten und Taten von seinem Großvater distanziert, soll er willkommen sein.“ Tut Flick dies nicht, hat Bloch eine einfache Lösung: „Man kann in dieses Museum gehen – oder auch nicht.“


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