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Leseempfehlung: Wo Künstliche Intelligenz Alltag ist: 350 Bots pflegen die Wikipedia

Konrad Lischka
Konrad Lischka
1 minuten gelesen
Leseempfehlung: Wo Künstliche Intelligenz Alltag ist: 350 Bots pflegen die Wikipedia

Gesichtserkennung, Spracherkennung, Schachcomputer – sobald maschinelle Entscheidungen einmal Alltag sind, spricht kaum noch jemand von künstlicher Intelligenz und wenn es nur schwache KI ist. Dass es sich manchmal lohnt, genau hinzusehen, zeigt Torsten Kleinz in einer Recherche über maschinelle Entscheidungen in der englischsprachigen Wikipedia. Die sind seit Jahren Alltag in der Onlineenzyklopädie: 350 Bots sind zugelassen. Die Maschinen verantworten heute schon ein Zehntel aller jemals getätigten Veränderungen in der Onlineenzyklopädie.

Kleinz erzählt, wie Bots freiwilligen Autoren die Arbeit erleichtern und so Menschen Zeit für interessante Aufgaben freiräumen. ClueBot NG prüft zum Beispiel Veränderungen an Artikel auf Vandalismus und löscht eigenständig.

  • Der Vorteil: Solche algorithmischen Systeme entlasten Menschen von Routinearbeit. Kleinz zitiert Ergebnisse einer Studie: Wenn ClueBot NG ausfällt, wird offensichtlicher Vandalismus zwar auch gelöscht – es dauert aber doppelt so lange und verbraucht viel menschliche Arbeitszeit, in der viele vielleicht lieber Artikel geschrieben hätten.
  • Der Nachteil: Bei ungewöhnlichen Fällen fehlt einem System wie ClueBot NG oft die Flexibilität, relevantes Unerwartetes auszuwerten und entsprechend zu reagieren. So markiert er auch manche korrekte Ergänzung als potenziellen Vandalismus. Das kann neue Autoren abschrecken.

Der Beitrag erdet eine Debatte, die sich um „DIE künstliche Intelligenz“ und „DIE“ Algorithmen dreht, aber Lehren aus dem tatsächliche Einsatz ausblendet. Wikipedianer haben gelernt, die sozialen Effekte von algorithmischen Systemen positiv zu gestalten und Menschen mehr Zeit fürs Wesentliche zu schaffen – allerdings mit bisweilen frustrierenden Nebenwirkungen. Entscheidungen sind nicht per se Fluch oder Segen, weil eine Maschine sie trifft. Es kommt darauf an, wie man sie gestaltet.

(Transparenzhinweis: Ich leite das Projekt Ethik der Algorithmen, in dem die Recherche von Torsten Kleinz entstanden ist.)

Dieser Text ist zuerst auf piqd erschienen.


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