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Streunende Katzen: Cat-Cam lüftet Squeakys Geheimnisse (Spiegel Online, 26.7.2007)

Konrad Lischka
Konrad Lischka
3 minuten gelesen

Streunende Katzen

Cat-Cam lüftet Squeakys Geheimnisse

Kater Lee war die erste Katze mit Umhängekamera. Jetzt nutzen immer mehr Katzenbesitzer die Erfindung des Ingenieurs Jürgen Perthold, lassen ihre Tiere die Welt fotografieren und stellen die Dokumentationen ins Netz. Hier die ersten Bilder.

Spiegel Online, 26.7.2007

Squeaky ist ein zarter, zahmer Kater. Er streift gerne mal ein paar Stunden durch die Nachbarschaft in Los Angeles, doch er kommt immer wieder nach Hause, in die Wohnung der Grafik-Designerin Julie Peasley. Fünf Jahre ging das gut, bis Squeaky voriges Jahr für drei Tage abtauchte. Peasley fand ihn schließlich – eingeklemmt unter der Veranda des Nachbarhauses. Seither will sie wissen, wo Squeaky sich auf seinen Touren versteckt.

Da ist die Grafik-Designerin nicht allein: Katzen-Spannen scheint ein neues Hobby von Tier- und Technikfreunden zu sein. Perthold hat 300 Bestellungen für seine Katzenkamera erhalten, seit sein Vorhaben Anfang Juni bekannt wurde. 45 fertige Kameras haben Jürgen und Jenny Perthold bereits verschickt, außerdem 60 Bausätze, die die Kunden selbst zusammenlöten. Inzwischen schicken die ersten Besitzer einer Katzenkamera Fotos ein, die ihre Haustiere geschossen haben – da sieht man schon mal den zerknautschten Pyjama eines Briten im Flur hängen, aufgenommen von seiner neugierigen Katze Jackie.

Grafik-Designerin Julie Peasley hat auf den Fotos ihres Katers all seine Freunde aus der Nachbarschaft in Los Angeles wiedererkannt: Den schwarzen Kater Charlie, der sich auf dem Rasen im Innenhof des Mietshauses räkelt zum Beispiel. Und natürlich streift Kater Squeaky an der Veranda des Nachbarn vorbei, schnüffelt in der Gartenhecke herum und stöbert zwischen den Werkzeugen hinterm Haus.

Gute Nachricht: Bislang hat Squeaky nicht wieder versucht, unter eine Veranda zu kriechen. Julie Peasley zu SPIEGEL ONLINE: "Mein Erkenntnis bislang: Sogar draußen umherstreunende Katzen haben ein irgendwie ruhiges, langweiliges Leben. Und sie genießen es sehr, unter Autos zu sitzen."

Die neugierige Katzenbesitzerin Peasley hatte zuvor schon mit einer Funkkamera experimentiert. Das gerade mal zwei mal zwei Zentimeter kleine Gerät hatte allerdings einen entscheidenden Nachteil: Ein so kleiner Funksender überträgt die Bilder höchstens 200 Meter weit. Und die Qualität ist dabei nur brauchbar, wenn kein anderes Gerät die Funkfrequenz stört – fast unmöglich in einer Stadt wie Los Angeles mit all den schnurlosen Telefonen und drahtlosen Computernetzen in jedem Viertel. Die Folge laut Peasley: "Das übertragene Bildmaterial war faktisch unbrauchbar."

Die Katzen-Funkkamera aus Bielefeld

In Bielefeld sind die Funkstörungen wohl nicht ganz so stark. Dort späht Stefan Bieletzke, Professor für E-Business an der Fachhochschule des Mittelstands seine Katze Smaka recht erfolgreich mit einer Funkkamera aus, dokumentiert ihre Streifzüge im Web. Er nutzt dabei eine "VisorTech Micro-Cam Profi" – das Gerät wiegt samt Batterie 75 Gramm, etwa so viel wie Pertholds Cat-Cam.

Die Bildqualität reicht allerdings nicht an das der Katzenkamera des deutschen Ingenieurs heran. Andere Funksignale stören auch in Bielfeld manchmal die Bildübertragung. Aber das gibt den Bildern von Bieletzkes Katze einige interessante Verfremdungs-Effekte: Da leuchten schwarze Sonnen und strahlen rote Bäume und manchmal ist der Himmel unnatürlich pastellfarben wie die Bilder der Fotografin Stefanie Schneider – die schafft solche Effekte aber mit abgelaufenem Filmmaterial.

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Einen entscheidenden Vorteil hat Bieletzkes Funkkamera gegenüber Pertholds Fotoapparat: Man kann die Bilder live verfolgen. Praktisch, wenn man mit der Technik wirklich seine streunenden Haustiere überwachen will. Bieletzke weiß jetzt: "Die Zeiten, in denen Smaka längere Zeit als vermisst galt, hat sie einfach in dem nahen Gartenschuppen des Nachbarn bei der Mäusejagd oder schlafend verbracht."

Einmal die Woche legt Bieletzke seiner Smaka die Kamera um – das stört sie nicht besonders, wie er erzählt. Einzige Einschränkung: Sicher funktioniert das mangels wasserdichtem Gehäuse nur bei gutem Wetter. Aber: "Smaka ist ja zum Glück wie alle Katzen auch wasserscheu", bemerkt Bieletzke. Und so kann der Professor Smakas Sicht der Welt live am Fernseher verfolgen – inklusive Klang. Aber nur, solange sie sich nicht weiter als 150 Meter läuft. "Dies ist, wie sich herausgestellt hat, aber selten der Fall", sagt Bieletzke.

Neue Katzen-Filmtechnik: GPS und Mini-DV

Demnächst könnte es aber Bewegtbilder von Katzen-Touren mit weit besserer Bildqualität geben. Julie Peasley will Squeaky bald mit einer Mini-DV-Kamera anfreunden. Und die Pertholds denken schon über die nächste Generation der Cat-Cam nach. Sie sind gerade mit einem Bastler im Gespräch, der die Cat-Cam "zu einem realistischen Preis mit GPS ausstatten" will. Hochauflösende Fotos samt Positionsangabe – bald haben Katzen überhaupt keine Geheimnisse mehr.


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